4 Fragen an Hugh Osborn zur Beobachtung des (möglichen) Ringplaneten bei PDS 110

Im vorigen Artikel habe auf die für September vorhergesagte Bedeckung des 10,4-mag-Sterns PDS 110 durch einen (möglicherweise) Riesensaturnplaneten beschrieben. Die Motivation dafür ist der Aufruf der Profiastronomen an Amateure, sich an den Beobachtungen zu beteiligen. Nach Fertigstellung des Texts erreichte mich die Antwort von Hugh Osborn von der Universität Warwick, dem Erstautor des entscheidenden wissenschaftlichen Aufsatzes zu PDS 110, auf eine Email von mir. Seine Antworten auf meine Fragen sind sicher interessant für alle, die sich an der Beobachtung beteiligen wollen. Deshalb gebe ich sie hier in der Übersetzung wieder.

In Ihrem Paper rufen Sie Amateurastronomen zur Beobachtung auf. Warum brauchen Sie deren Hilfe?

Die Position des Objekts (im Orion) macht die Beobachtungen der Verfinsterung knifflig, denn es steht nur für etwa eine Stunde einigermaßen hoch am Himmel, bevor die Morgendämmerung einsetzt. Das ist der Grund, weswegen wir auf die Hilfe von Amateurbeobachtern hoffen: Mit ihnen können wir Daten von vielen Orten auf dem Globus zusammentragen und damit die zeitlichen Lücken in den Photometriedaten schließen. Daraus wollen wir dann eine nahezu vollständige Zeitreihe der schwankenden Helligkeit von PDS-110 erstellen, aus der wir die Struktur des verfinsternden Objekts viel genauer ableiten können, als dies je für einen (möglicherweise) beringten Planeten gemacht wurde!

Was für Voraussetzungen braucht man als Amateur denn, um wissenschaftlich verwertbare Daten zu sammeln?

PDS-110 ist etwa 10,5 mag hell, der Helligkeitsabfall liegt bei rund 27 % (0,3 mag). Das heißt, der Stern ist zu schwach für das Fernglas und die Schwankung zu gering für die meisten visuellen Beobachter. Man braucht also sowohl ein Teleskop (ab einer Öffnung von vier Zoll / 10 Zentimetern sollte der Stern gut zu sehen sein), eine CCD- oder DSLR-Kamera und eine gewisse Erfahrung mit der photometrischen Auswertung. Wir koordinieren uns mit der AAVSO, die Anleitungen zu allen drei genannten Punkten bereithält (z.B. unter https://www.aavso.org/observing-main).
Wir würden sehr gerne Informationen in vielen verschiedenen Wellenlängen (Filtern) sammeln, denn die Unterschiede der Verfinsterungstiefe bei verschiedenen Wellenlängen verraten uns viel über die Größe des Staubs des verfinsternden Objekts. Aber auch Beobachtungen mit einem einzigen Filter sind natürlich nützlich!

Besteht wirklich gar keine Chance für visuelle Beobachter?

Ich denke, die Grenze für visuelle Beobachter, was Helligkeitschwankungen betrifft, liegt bei ~0,2 mag, was wahrscheinlich nicht ausreichen wird, um die Verfinsterung von PDS-110 zu erkennen. Aber natürlich ist jeder visuelle Beobachter willkommen, der meint, dass er es doch schafft!

Wohin genau soll man die eigenen Beobachtungsdaten schicken?

Auch das koordiniert die AAVSO, die Photometrie kann über deren WebObs-Tool eingesendet werden. Detaillierte Fragen stellt man am besten direkt im Diskussionsforum: https://www.aavso.org/pds-110-observing-campaign-201

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