Am Anfang aller Anfänge

Wer in ein naturhistorisches Museum geht, erwartet typischerweise, etwas über die Geschichte der belebten und unbelebten Natur unseres Planeten zu erfahren. Insofern fällt die Ausstellung, die am Dienstagabend im NHM Wien eröffnet wurde, aus dem Rahmen. “Wie alles begann” geht weiter zurück – bis an den Anfang von Raum und Zeit. Dorthin, wo “Galaxien, Quarks und Kollisionen” die Welt des unvorstellbar Großen mit der Welt des unvorstellbar Kleinen zu einem nicht unbedingt vorstellbareren Ganzen vereinen. Kleines Bonbon: Wer als Himmelslichter-Leser die Ausstellung betritt, wird von einem vielleicht bekannten Exponat überrascht.

The artist is present: Mein Milchstraßenpanorama als Lichtprojektion in der Ausstellung "Wie alles begann" am NHM Wien.
The artist is present: Mein Milchstraßenpanorama als Lichtprojektion in der Ausstellung “Wie alles begann” am NHM Wien.

Denn ganz am Anfang allen Nachdenkens und forschen über das Universum und seine Geschichte steht die menschliche Neugier. Und was vermag diese Neugier mehr herausfordern als der Blick in den Sternenhimmel in einer dunklen Nacht? So erinnert im Eingangsbereich der Ausstellung eine Projektion meines Milchstraßenpanoramas daran, dass es der Blick nach oben war, der Menschen seit Urzeiten zum Staunen gebracht und zum Fragen stellen angeregt hat. Und damit letztlich auch Ansporn für die wissenschaftlichen Höchstleistungen war, die in der weiteren Ausstellung gezeigt werden.

Die Ausstellung "Wie alles Begann" wurde am 18. Oktober 2016 eröffnet und läuft noch bis zum 1. Mai 2017.
Die Ausstellung “Wie alles Begann” wurde am 18. Oktober 2016 eröffnet und läuft noch bis zum 1. Mai 2017.

Diese Faszination funktioniert noch heute: Der Kuppelsaal des festlich geschmückten Museums war randvoll, und längst nicht alle Besucher hatten einen Sitzplatz bekommen, als Christian Köberl, Generaldirektor des NHM, die Ausstellung am Dienstagabend offiziell eröffnete.

Geaorge Smoot hält im Kuppelsaal des NHM einen Vortrag über die kosmische Hintergrundstrahlung. Mit dem Satellit Cobe hat Smoot entdeckt, dass diese Strahlung nicht völlig homogen ist. Dafür wurde er 2006 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
George Smoot hält im Kuppelsaal des NHM einen Vortrag über die kosmische Hintergrundstrahlung. Mit dem Satellit Cobe hat Smoot entdeckt, dass diese Strahlung nicht völlig homogen ist. Dafür wurde er 2006 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Das hohe Interesse mag freilich auch an der Rednerliste gelegen haben. Mit George Smoot und Peter Higgs hielten gleich zwei Physik-Nobelpreisträger kurze Ansprachen, dazu noch Anton Zeilinger, Präsident der österreichischen Akademie der Wissenschaften und Fabiola Gianotti, die Generaldirektorin des CERN, deren Grußbotschaft immerhin per Video eingespielt wurde. Eine solch hochkarätige Austellungseröffnung, so betonte Köberl, hatte das NHM noch nicht gesehen.

Peter Higgs gibt ein Autogramm. Higgs erhielt den Physik-Nobelpreis 2013 für die theoretische Vorhersage des nach ihm benannten Bosons. In Wien wurde er (fast) wie ein Popstar gefeiert.
Peter Higgs gibt ein Autogramm. Higgs erhielt den Physik-Nobelpreis 2013 für die theoretische Vorhersage des nach ihm benannten Bosons. In Wien wurde er (fast) wie ein Popstar gefeiert.

In der Ausstellung selbst nähert man sich dem “Anfang aller Anfänge”, dem Urknall, von zwei Seiten: Einserseits von der klassischen, astrophysikalischen Seite, also durch den immer tieferen Blick in den Kosmos und in die Vergangenheit bis zur kosmischen Hintergrundstrahlung, die so etwas wie den natürlichen Vorhang darstellt, hinter den wir nicht direkt blicken können. (Das wird in der Ausstellung sehr schön aufgegriffen.)

"Protonen-Fußball"
“Protonen-Fußball”

Andererseits von der teilchenphysikalischen Seite. Denn das, was im sehr frühen Universum Sekundenbruchteile nach dem Urknall geschah, lässt sich mit reiner Astrophysik nicht verstehen. Statt dessen dienen Teilchenbescheuniger wie der LHC des CERN in Genf als Modellgeneratoren, die den Zustand des Babyuniversums im kleinen nachstellen sollen.

Die Ausstellung "Wie alles begann" führt den Besucher bis zum Anbeginn des Kosmos.
Die Ausstellung “Wie alles begann” führt den Besucher bis zum Anbeginn des Kosmos.

Besunders gelungen ist der Ausstellung die Mischung aus Wissenschaft und Kunst: Installationen mehrerer österreichischer und internationaler Künstler bieten dem Besucher ungewohnte Perspektiven. Dabei geht das eine nahtlos in das andere über – mehrfach passierte es mir, dass ich erst nach einigen Momenten bemerkte, zu welcher der beiden Seiten der Medaille ein bestimmtes Exponat nun gehörte. Mein Panoramabild mag da ein gutes Beispiel sein.

Die Installation "Der Nullpunkt von Raum und Zeit" von Brigitte Kowanz ist eine von mehreren künsterlischen Exponate der Ausstellung.
Die Installation “Der Nullpunkt von Raum und Zeit” von Brigitte Kowanz, eine Art begehbare Spirale aus  Spiegeln mit Neon-, Argon und Xenon-Leuchtröhren, ist eine von mehreren künstlerischen Exponate der Ausstellung.

Am Schluss (bevor es optional noch ins digitale Planetarium geht) können die Besucher entscheiden, wie ihrer Meinung nach das Universum einmal enden soll: im “Big Crunch”, “Big Freeze” oder sogar im “Big Rip”. Wobei das Ergebnis wohl eher der Bequemlichkeit geschuldet sein wird: “Big Rip” ist einfach der kürzeste Weg.

Wohin soll es gehen? Die meisten entscheiden sich wohl für den kürzesten Weg.
Wohin soll es gehen? Die meisten entscheiden sich wohl für den kürzesten Weg.

Ein Besuch sei wärmstens empfohlen. Wer noch nicht genug hat, kann schließlich danach noch die größte Meteoritensammlung der Welt besichtigen, die ebenfalls im NHM beheimatet ist.

Am Ende lernt man auch noch den Sinn des Lebens.
Am Ende lernt man auch noch den Sinn des Lebens.

Die Ausstellung “Wie alles begann. Von Galaxien, Quarks und Kollisionen” im Naturhistorischen Museum Wien läuft noch bis zum 1. Mai 2017.

2 thoughts on “Am Anfang aller Anfänge

  1. Rainer Kirmse , Altenburg 2020-03-20 / 15:08

    Wir blicken zu den funkelnden Sternen
    In des Weltalls unendlichen Fernen.
    Dabei fragen wir uns so manche Nacht,
    Wie wohl entstanden ist all diese Pracht.

    URKNALL UND UNIVERSUM

    Eine Singularität macht Karriere,
    Die Materie in einem Punkt vereint.
    Ein großer Knall beendet die Leere,
    Das Duo Raum und Zeit erscheint.

    Der Materie Vielfalt fächert sich auf,
    Es bilden sich die Elemente.
    Sterne und Planeten entsteh’n zuhauf,
    Alles in Ausdehnung ohne Ende.

    Uns’re Galaxie ist eine von Milliarden,
    Ein Spiralsystem, keine Besonderheit.
    Die Erde hatte die besten Karten,
    Hier fand das Leben Geborgenheit.

    Aus toter Materie ging es hervor,
    Strebte hin zu höchster Komplexität.
    Die Evolution wirkt als ein Motor,
    Der einfach niemals ins Stocken gerät.

    Zahllose Arten entsteh’n und vergeh’n,
    Bevor der Mensch betritt die Szenerie.
    Auch ihn wird man nicht ewig hier seh’n,
    Das ist die kosmische Dramaturgie.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Rainer Kirmse , Altenburg 2020-03-20 / 16:36

    DUNKLES UNIVERSUM

    Am Anfang war der Urknall,
    Um uns herum der Nachhall.
    Das Weltall in Expansion
    Milliarden Jahre nun schon.

    Es sind dabei die Galaxien
    Einander rasant zu entflie’n.
    Da ist keine Wende in Sicht,
    Irgendwann geht aus das Licht.

    Dunkle Materie ist rätselhaft,
    Dunkle Energie nicht minder.
    Das Wissen ist noch lückenhaft,
    Man kommt nicht recht dahinter.

    Es braucht wohl wieder ein Genie,
    Gar eine neue Theorie.
    Den Kosmos ganz zu versteh’n,
    Wird noch etwas Zeit vergeh’n.

    Rainer Kirmse , Altenburg

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