Amerikanische Wissenschaftler wollen den Mond zum Planeten erklären (und Pluto auch)

Also nicht alle und eigentlich geht es um Pluto (wieder mal), aber wenn dabei der Mond im Weg ist, wird halt passend gemacht, was kein Stern, rund und bei drei nicht im Kuipergürtel ist. Das jedenfalls wäre die Konsequenz, wenn eine kleine Gruppe um Alan Stern vom Southwest Research Institute im US-Bundesstaat Colorado, Erfolg hätte mit einem Vorschlag, die international wohl eher Kopfschütteln auslösen, in seinen heimatlichen Vereinigten Staaten von Amerika aber tatsächlich von einer großen Zahl seiner Mitbürger unterstützt werden dürfte.

Ganz rot vor Scham ob seines möglicherweise neuen Status: der Mond.
Ganz rot vor Scham ob seines möglicherweise neuen Status: der Mond.

Dort, in diesen USA nämlich, ist man seit 2006 sauer darüber, das die böse Internationale Astronomische Union damals den armen Pluto vom Planeten zum „Zwergplaneten“ degradierte. Warum das vor allem in diesem Land der Erde so ein Thema ist, mehr also irgendwo anders, darüber habe ich vor Jahren schon mal spekuliert. Pluto ist als einziger Planet, pardon: als erster Zwergplanet, von einem US-Amerikaner entdeckt worden.

Stern ist nicht irgendwer, sondern „Principal Investigator“, also Chefwissenschaftler des New Horizons-Projekts, das 2015 den ersten Besuch einer Raumsonde bei Pluto schaffte. Das beschert seinem offensichtlichen Anliegen, das Objekt seiner Studien wieder zum Planeten zu machen, seit Jahren einiges Medienecho.

Die IAU hatte 2006 in Prag (irgendwo in Europa, auch das noch) eine neue Definition dafür beschlossen, was ein Planet eigentlich ist. Dazu legte sie drei Kriterien fest:

A “planet” is a celestial body that

(a) is in orbit around the Sun,

(b) has sufficient mass for its self-gravity to overcome rigid body forces so that it assumes a hydrostatic equilibrium (nearly round) shape, and

(c) has cleared the neighbourhood around its orbit.

 

Am dritten scheiterte Pluto, ebenso wie andere Himmelskörper, die seither auch als Zwergplaneten gelten: einige relativ neu entdeckte Trans-Neptun-Objekte und der vormalige Asteroid Ceres (für den das wohl eher eine „Beförderung“ war). Das Ganze macht Sinn aus wissenschaftlicher Sicht, denn es entspricht eher der hierarchischen Ordnung des Sonnensystems, wohingegen das alte System eher historisch zu begründen war (Ceres wurde eine Weile auch als Planet betrachtet, eher man ihn als Asteroid neu klassifizierte).

“I am saddened that this small but loud group continues to try to confuse the public into thinking that there is no substantial difference between the real planets and the innumerable tiny bodies like Pluto.”

Michael Brown, Professor für planetare Astronomie am California Institute of Technology und Autor des Buchs How I Killed Pluto and Why It Had It Coming

 

Nach dem neuen Vorschlag soll ein Planet dagegen zukünftig so definiert werden:

A planet is a sub-stellar mass body that has never undergone nuclear fusion and that has sufficient self-gravitation to assume a spheroidal shape adequately described by a triaxial ellipsoid regardless of its orbital parameters.

Demnach ist es also egal, ob der Körper um einen Stern kreist, so lange er nur aufgrund seiner eigenen Gravitation rund und nicht zu groß ist, damit er keine eigene Kernfusion betreiben kann. Damit wäre Pluto natürlich wieder ein Planet, ebenso wie sein Mond Charon, unser Erdmond und ungefähr 100 weitere Objekte des Sonnensystems.

Man kann trefflich darüber streiten, ob die IAU-Definition der Weisheit letzter Schluss ist, insbesondere ob man andere Sterne außer der Sonne nennen sollte (wobei ich das für eine Spitzfindigkeit halte) oder ob man „freie“, also an keinen Stern gebundene Planeten als solche bezeichnen muss (da bilde ich mir keine Meinung zu ein). Aber der neue Vorschlag ist meiner Meinung nach wissenschaftlicher Unsinn, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die internationale Astronomengemeinschaft ernsthaft darauf eingeht.

Ich glaube, Wissenschaft haben Stern und seine Mitstreiter ohnehin bei dieser Sache nicht im Sinn, und ob die Öffentlichkeit Raumsondenmissionen zu Zwergplaneten für weniger wichtig hält als Missionen zu Planeten, ist, wie ich finde, kein Problem, dass man mit einer wissenschaftlichen Umdefinition lösen sollte. Wenn es neben den im oben verlinkten alten Blogartikel vermuteten patriotischen Motiven (Make The Solar System Great Again) einfach nur ums „zurück, wie es einmal war“ geht, habe ich einen weiteren Vorschlag: Nennen wir „Amerika“ zukünftig doch einfach wieder „Indien“. Das ist geografisch zwar Schwachsinn, aber so hat man den Kontinent schließlich einmal genannt.

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