Auf Polarlichtjagd mit der Hurtigruten

Die wohl komfortabelste Weise, das Nordlicht einmal hautnah zu erleben, ist eine Fahrt mit der Hurtigrute entlang der norwegischen Küste. Im Oktober war ich wieder einmal mit an Bord – hier ein paar Bilder und Eindrücke von der Themenreise „Nordlicht und Sterne“.

Nordlicht und Sterne an Bord der Nordnorge, im Oktober 2017
Nordlicht und Sterne an Bord der Nordnorge, im Oktober 2017

Wer „Hurtigrute“ hört, denkt wohl erst einmal an die alte Postschifflinie. Tatsächlich hat sich die Schiffslinie, die im kommenden Jahr ihren 125. Geburtstag feiert, noch ein gutes Stück dieser Tradition bewahrt. Die Schiffe sind kleiner als typische Kreuzfahrtriesen und befahren deshalb Fjorde, die für manch größeren Pott zu eng sind.

Unser Schiff, die MS Nordnorge, ankert in einem kleinen Fjord vor dem Dörfchen Urke.
Unser Schiff, die MS Nordnorge, ankert in einem kleinen Fjord vor dem Dörfchen Urke.
Auf dem Oberdeck hat man freie Sicht auf die Polarlichter
Auf dem Oberdeck hat man freie Sicht auf die Polarlichter

Zwischen Bergen und Kirkenes laufen die Schiffe rund 30 Häfen an. darunter sind einige ziemlich abgelegene Örtchen, die ohne Hurtigrute selbst kaum ein Norweger kennen würde, geschweige denn Touristen aus aller Welt. Die Aufenthalte dort dauern meist nur eine halbe Stunde. Länger im Hafen liegen die Schiffe zum Beispiel in Ålesund, Trondheim, Tromsø oder in Honningsvåg am Nordkapp. Dort hat man Gelegenheit für ausgedehntere Landgänge.

Auch bei "ruhiger" Polarlichtaktivität gibtb es was zu sehen
Auch bei „ruhiger“ Polarlichtaktivität gibt es einiges zu sehen

Zwar transportiert die Hurtigrute auch heute noch Fracht, von der Austattung sind die Schiffe aber ganz auf Touristen zugeschnitten. Die Nordnorge beispielsweise, mit der wir im Oktober unterwegs waren, hat ein eigenes „Expeditionsteam“. Das bietet Vorträge, Ausflüge, Wanderungen und noch einige Dinge mehr an, so dass Langeweile gar nicht erst aufkommen kann.

Manchmal kann das allerdings auch zugehen wie in einem Taubenschlag, insbesondere, wenn wie bei uns das Schiff recht voll ist. Aber man muss ja nicht alle Angebote wahrnehmen – manchmal reicht es aus, einfach auf dem Panoramadeck zu sitzen und die Küstenlandschaft an sich vorbeiziehen zu lassen.

Am Nordkapp lag bereits Schnee.
Am Nordkapp lag bereits Schnee

Die Themenreise „Nordlicht und Sterne“ wird seit einigen Jahren von Hurtigruten gemeinsam mit dem Astronomieportal astronomie.de angeboten. Sie unterschiedet sich von anderen Gruppenreisen durch ein zusätzliches und exklusives Programm. Ein oder zwei astronomische Lektoren stehen den Reisenden mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um den Sternenhimmel und die Polarlichtbeobachtung und -fotografie geht.

Ruhige See und bestes Wetter auf der südgehenden Route
Ruhige See und bestes Wetter auf der südgehenden Route
Erinnerung an alte Postschiffzeiten
Erinnerung an alte Postschiffzeiten

In einer Serie von Vorträgen geht es um astronomische Themen, wobei das Polarlicht, seine Entstehung und die physikalischen Zusammenhänge natürlich im Mittelpunkt stehen. Sozusagen eine Schiffreise mir astronomischem Grundkurs und praktischer Polarlichtbeobachtung.

Ein Höhepunkt jeder Fahrt (zumindest im Sommer): Die Fahrt in den Trollfjord. Das Schiff kann gerade so darin manövrieren. Im Winter ist die Fahrt wegen möglicher Schneelawinen oft nicht möglich.
Ein Höhepunkt jeder Fahrt (zumindest im Sommer): Die Fahrt in den Trollfjord. Das Schiff kann gerade so darin manövrieren. Im Winter ist die Fahrt wegen Schneelawinen oft nicht möglich.
Im Trollfjord
Im Trollfjord

Die Chance, die Aurora Borealis auf so einer 10tägigen (ab September 2018 wieder 12tägigen) Reise mit eigenen Augen zu sehen, ist eigentlich auf jeder Fahrt gegeben. Weil die Schiffe während der Reise (fast) die gesamte norwegische Küste gleich zweimal abfahren (einmal nordgehend und einmal südgehend), kreuzen sie auch zweimal die Region unter dem Polarlichtoval. Dort leuchtet der Himmel eigentlich immer, auch wenn die Sonne mal eine Ruhephase einlegt und die Polarlichtaktivität eigentlich niedrig ist.

Südgehend sieht man die Polarlichter oft nach achtern
Südgehend sieht man die Polarlichter oft nach achtern

So war es auch Ende Oktober, als ich das inzwischen schon dritte Mal eine Themenreise „Nordlicht und Sterne“ als astronomischer Lektor begleitete. Auch ohne größeren Sonnensturm gab es ansehnliches Polarlicht, so dass unsere rund 80-köpfige Gruppe auf ihre Kosten kam. Das Wetter war herbstlich ruhig und ersparte uns (mir aus zwei Winterfahrten wohlbekannte) Sturmstrecken mit entsprechendem Wellengang.  Dafür zeigte sich der Himmel mehrere Tage lang fast völlig wolkenlos.

Die Nordnorge im Hafen von Honningsvag
Die Nordnorge im Hafen von Honningsvåg

Ab dem dritten Reisetag bis zum Schluss war eigentlich jede Nacht Polarlicht zu sehen. Manchmal nur als grünes Glimmen in Wolkenlücken, zweimal aber auch als veritable Show mit sich schnell bewegenden leuchtenden „Vorhängen“ und einer beeindruckenden Korona. Meinem Lektoren-Kollegen Hans Koechl sind einige beeindruckende Aufnahmen dieses Phänomens gelungen:

Drei Aufnahmen der Korona im Zenit, im Abstand weniger Sekunden. Bild: Hans Koechl
Drei Aufnahmen der Korona im Zenit, im Abstand weniger Sekunden. Bild: Hans Koechl
Ein Himmel voller Polarlichter. Bild: Hans Koechl
Ein Himmel voller Polarlichter. Bild: Hans Koechl

Der schnellen Veränderungen der Polarlichter waren wirklich beeindruckend. Natürlich kommt die intensive Farbe mit bloßem Auge nicht ganz so rüber wie auf den Fotos. Ist das Polarlicht aber hell, dann ist die Farbe leicht zu erkennen.

Meine nächste Polarlichtfahrt plane ich für den nächsten Herbst. Dte Themenreise wird aber das gesamte jahr über angeboten – ausgenommen die hellen Sommermonate von Mai bis August. Da gibt es dann die Mitternachtssonne zu bewundern.

Im Oktober steht die Sonne in Nordnorwegen am Nachmittag bereits tief, was ein wunderbares Fotografierlicht erzeugt
Im Oktober steht die Sonne in Nordnorwegen am Nachmittag bereits tief, was ein wunderbares Fotografierlicht erzeugt

Linktipp: Alex Kerste beschreibt in seinem Blog ausführlich die Fahrt mit dem MS Trollfjord, die nur einen Tag nach unserer Nordnorge gestartet war. Sein Buch „Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten“ enthält alles Wissenswerte über die Reise.

2 thoughts on “Auf Polarlichtjagd mit der Hurtigruten

  1. Thomas Schiffer 2017-11-06 / 10:22

    Hallo Jan,
    eine sehr beeindruckende und gut dokumentierte Reise präsentierst du uns hier.
    Polarlichter zu sehen ist nicht jedem vergönnt, sie dann auch noch auf einem Schiff einzufangen,
    (Belichtungszeit etc.) ist schon eine besondere Leistung.
    Klasse Doku und gute Einführung ins Thema!
    Beste Grüße aus der Eifel, Thomas

  2. Hans Koechl 2017-11-06 / 11:04

    Servus Jan,

    ein toller, sehr informativer Reisebericht. Es freut mich sehr das du auch meine Fotos der Polarlichter zeigst. Es war eine unglaubliche Reise mit herrlichen Polarlichtern.

    Viele grüße aus Kärnten
    Hans und Ingrid

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