Beteigeuze wird wieder heller

Die Supernova ist (vorerst) abgesagt, Orion bleibt Orion, wir können uns alle wieder beruhigen. Andererseits liegt zwischen Supernovahysterie und heute ein guter Monat, also eine halbe Ewigkeit. Außerdem sind wir derzeit ja alle im Coronastress, weswegen das mit dem Beruhigen wohl nicht klappt und sich sowieso kaum noch jemand daran erinnert, dass zur Jahreswende ein Stern namens Beteigeuze sogar der “Bild”-“Zeitung” eine Schlagzeile wert war.

Das Sternbild Orion mit der roten Betelgeuse (links) am Abend des 15. Januar 2020. Durch einen Weichzeichnungsfilter werden die Farben der Sterne besonders gut sichtbar.
Das Sternbild Orion mit der roten Beteigeuze (links) am Abend des 15. Januar 2020. Durch einen Weichzeichnungsfilter werden die Farben der Sterne besonders gut sichtbar. Bis Mitte Februar wurde der Stern nochmals schwächer, momentan (Anfang März) ist er wieder ungefähr so hell wie auf dem Foto.

Um es kurz zu machen: Wie Edward Guinan und seine Kollegen berichten, wird Beteigeuze seit Ende Februar wieder leicht heller. Das entspricht der Erwartung, dass die seit Mitte 2019 beobachtete Helligkeitsabnahme von immerhin einer ganzen Größenklasse mit einem seit längerem bekannten Zyklus von 420 bis 430 Tagen Dauer zusammenhängt. Das Helligkeitsminimum lag demnach bei 1,614 +/- 0,008 mag und wurde zwischen dem 7. und 13. Februar 2020 erreicht.

Das deckt sich grob mit den Daten der AAVSO-Datenbank. Die visuellen Schätzungen habe ich dieses Mal komplett ausgeblendet, sie streuen einfach zu stark. (Es haben sich wohl viele unerfahrene Beobachter mit sehr ungenauen Ergebnissen an der Beobachtung beteiligt.) Die photometrischen Messungen im V-Band zeichnen hingegen ein ziemlich klares Bild, vor allem, wenn man die Messwerte über jeweils 10 Tage mittelt:

Helligkeitskurve von Beteigeuze (Alpha Orionis) erstellt mit dem AAVSO Light Curve Generator. Photometrische Daten (V-Band) gemittelt über 10 Tage.
Helligkeitskurve von Beteigeuze (Alpha Orionis) erstellt mit dem AAVSO Light Curve Generator. Photometrische Daten (V-Band) gemittelt über 10 Tage.

Ab Mitte Februar geht es also wieder aufwärts. Damit scheinen sich die (nie sehr realistisch gewesenen) Hoffnungen auf eine baldige Supernova aufzulösen. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass Beteigeuze im Infrarotlicht eben keinen vergleichbaren Helligkeitseinbruch gezeigt hat. Heißt, der gesamte Energieausstoß des Sterns ist konstant geblieben. Der vorübergehende Einbruch im optischen Licht hat wohl – wie vermutet – mit Prozessen in der ausgedehnten Hülle des Sterns zu tun und seinen Ursprung nicht im Kern, wo die Energie erzeugt wird.

Auch meine eigenen Beobachten liegen mit der oben gezeigten Kurve in Einklang. Seit einer Woche etwa erscheint mir Beteigeuze wieder ein wenig heller zu sein als der rechte Schulterstern des Orion, Bellatrix (1,64 mag). Während des Minimums erschienen mir die beiden praktisch gleich hell.

Im aktuellen (März 2020) Heft von Sterne und Weltraum gibt es übrigens einen ausführlichen Artikel aus meiner Feder zu Beteigeuze und seinem momentanen Schwächeanfall. Darin erklären Forscher, was es mit den Helligkeitsschwankungen wohl auf sich hat, wobei die Antwort noch nicht endgültig gefunden ist. Ich spekuliere im Artikel auch, wie sich eine Beteigeuze-Supernova auf die Erde und uns Menschen auswirken würde – es wäre immerhin die nächstgelegene je beobachtete Sternexplosion!

Und irgendwann wird es soweit sein, das zumindest ist sicher…

3 thoughts on “Beteigeuze wird wieder heller

  1. Gerhard Franz 2020-03-02 / 8:51

    Danke für den schönen Artikel! Darauf habe ich ein Vierteljahr gewartet. Ich hatte irgendwo gelesen, es gäbe zwei Zyklen, deren Minima irgendwann zusammenfallen könnten.

    Aber man könne bei so Roten Riesen nie wissen …

    Dieses Irgendwann war hoffentlich jetzt?

    • janhattenbach 2020-03-02 / 8:55

      Das mit den zwei Zyklen ist richtig. Es ist der erwähnte 420-Tages-Zyklus und ein zweiter, mehrjähriger.

      Und das “Irgendwann” ist zwischen heute Abend und den nächsten 100.000-200.000 Jahren..

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