Blog-Flashback #15: Ein Weißer Zwerg im Teleskop

Einen Weißen Zwerg im eigenen Teleskop zu sehen ist schwer. Denn die Dinger sind eben klein – meist nicht größer als die Erde. Das gilt auch für das nächstgelegene Exemplar. Das ist gerade einmal 8,6 Lichtjahre entfernt, also gerade einmal doppelt so weit weg wie der nächste Stern überhaupt. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 8,5mag wäre der Zwergstern ohne Probleme in kleinen Teleskopen zu sehen, stünde er nicht an einem sehr ungünstigen Ort: Es handelt sich um Sirius B, dem kleinen Begleiter von Sirius, dem hellsten Stern des Nachthimmels. Doch die Gelegenheit, Sirius B mit eigenen Augen zu erspähen, ist so gut wie lange nicht mehr.

Zuerst erschienen am 31. Januar 2015. Mittlerweile habe ich Sirius B mehrere Male wiedergefunden. Stimmt das Seeing, klappt die Sache auch von der Nordhalbkugel! Und die Sichtbarkeit ist heute sogar noch ein bisschen besser als 2015, weil sich der Winkelabstand von Sirius A und B weiter vergrößert hat.

Sirius A (mitte) und Sirius B (links darunter) mit dem Hubbleteleskop gesehen. Dass man den Weißen Zwerg Sirius B überhaupt mit einem ganz normalen Amateurfernrohr sehen kann, mag unglaublich erscheinen - aber es geht (Bild: NASA, ESA, H. Bond (STScI), and M. Barstow (University of Leicester)
Sirius A (mitte) und Sirius B (links darunter) 2005 mit dem Hubbleteleskop gesehen. Dass man den Weißen Zwerg Sirius B überhaupt mit einem ganz normalen Amateurfernrohr sehen kann, mag unglaublich erscheinen – aber es geht (Bild: NASA, ESA, H. Bond (STScI), M. Barstow, University of Leicester)

Sirius B steht Sirius (A) so nahe, dass er meist in dessen Glanz untergeht. Nun ändert sich allerdings der Winkelabstand der beiden ungleichen Partner stetig infolge ihrer gegenseitigen Umrundung: Zur Zeit stehen Sirius A und B 10,7 Bogensekunden am Himmel voneinander entfernt, das ist nur wenig näher als zu ihrer maximal möglichen Separation von 11,3 Bogensekunden, die im Jahr 2022 erreicht wird. Die Chancen auf eine erfolgreiche Sichtung von Sirius B sind damit so gut wie zuletzt in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Wikimedia Commons
Der scheinbare Orbit von Sirius B um Sirius A. Quelle: Wikimedia Commons

Am 20. Januar versuchte ich mich zum ersten Mal an diesem System. Und siehe da: es gelang mir einfacher als gedacht, Sirius B als schwaches Sternchen gleich neben dem hellen “Hundsstern” zu sehen. Er stand, wie er sollte, knapp nordöstlich. Allerdings habe ich ein bisschen gemogelt: Beobachtet habe ich auf 30° südlicher Breite ganz in der Nähe des La-Silla-Observatoriums in der chilenischen Atacamawüste. Nicht nur war die Luft dort außergewöhnlich transparent und ruhig, Sirius stand zum Zeitpunkt der Beobachtung auch fast senkrecht über mir am Himmel, was die Mission erheblich vereinfachte. Und das verwendete Teleskop, ein 12″-Dobson, ist auch nicht von schlechten Eltern.

Eine Skizze, auf die Schnelle am Teleskop gemacht: Sirius B stand am vorausgesagten Ort (Positionswinkel 282°) und 10,7" von Sirius A entfernt, knapp neben einem hellen Teleskopspike.
Eine Skizze, auf die Schnelle am Teleskop gemacht: Sirius B stand am vorausgesagten Ort (Positionswinkel 282°) und 10,7″ von Sirius A entfernt, knapp neben einem hellen Teleskopspike.
DSLR-Aufnahme von Sirius A - und B (etwa auf der 10-Uhr-Position). Das Bild ist gegenüber meine Skizze verdreht, aber die sechs in der Skizze markierten Feldsterne sind leicht zu identifizieren (mit freundlicher Genehmigung: James MacWilliam, starchasers.ca)

DSLR-Aufnahme von Sirius A – und B (etwa auf der 10-Uhr-Position) aus dem Jahr 2011. Das Bild ist gegenüber meiner Skizze verdreht, aber die sechs in der Skizze markierten Feldsterne sind leicht zu identifizieren (mit freundlicher Genehmigung: James MacWilliam, starchasers.ca)

Interessant ist auch diese Animation, die einen Zoom aus den Sirius enthält und mit dem obigen Hubblebild endet. Wieder orientiert man sich am besten an den sechs Feldsternen, die ich in meine Skizze eingezeichnet habe. Dass Sirius B auf dem Hubblebild an einer anderen Position ist, liegt daran, dass dieses Bild schon 2005 aufgenommen wurde. Inzwischen hat sich Sirius B auf seinem (scheinbaren) Orbit weiter nach Nordosten und von Sirius A weg bewegt:

In Mitteleuropa erhebt sich der Sirius zwar nur etwa 20-30° über den Horizont, dennoch dürfte es einigermaßen versierten Beobachtern gelingen, seinen kleinen Begleiter zu erblicken.

Anblick des Nachthimmels im Februar/März in der ersten Nachhälfte. Sirius (und Rigel) sind ideal zu beobachten. Bild erstellt mit Stellarium
Anblick des Nachthimmels im Februar/März in der ersten Nachhälfte. Sirius (und Rigel, s. u.) sind ideal zu beobachten. Bild erstellt mit Stellarium

Hier nun ein paar Tipps, mit denen die Sichtung glücken sollte:

Seeing ist alles

Eine erfolgreiche Sichtung von Sirius B dürfte nur bei sehr gutem bis ausgezeichnetem Seeing gelingen, d. h., wenn die Atmosphäre über dem Beobachtungsort besonders ruhig ist. Nur dann lässt sich der schwache Zwerg im Glanz von Sirius A erkennen. Flackert und blinkt Sirius schon für das bloße Auge wie wild am Himmel, stehen die Chancen schlecht. Daher auch unbedingt warten, bis der Stern seinen höchsten Stand über dem Horizont erreicht.

Später am Morgen, als Sirius schon tiefer stand und sein Licht merklich flackerte, versuchte ich testweise nochmal, den Begleiter zu sehen – es gelang mir nicht mehr!

Dämmerung hilft

In der Dämmerung ist der Himmel noch nicht völlig dunkel und der Glanz des Sirius A stört etwas weniger, ein Effekt, der mir auch geholfen hat. Außerdem kommt es oft vor, dass die Luft (Seeing, s. o.) gerade während der Dämmerung besonders ruhig ist.

Test mit Rigel B

Auch der nahe stehende Stern Rigel im Orion hat einen schwachen Begleiter, der diesem ähnlich nahe steht wie Sirius B dem Sirius – aber “nur” 1000 Mal schwächer ist als sein Begleiter (und nicht 10000 Mal, wie Sirius B). Rigel B ist damit das ideale Testobjekt: Sieht man ihn ohne Probleme, kann man sich an Sirius B wagen.

Rigel B sprang mir am 20.1. geradezu ins Auge, unglaublich, wie aufdringlich der war!

Hohe Vergrößerung, präzise Justage

Eine hohe Vergrößerung hilft. Ich konnte Sirius B bei etwa 230x gut sehen. Wichtig für gute Bilder ist eine gute optische Justage des Teleskops, insbesondere bei Newtonteleskopen.

Achtung vor den Spikes!

Spiegelteleskope mit Fangspiegelspinne zeigen kreuzförmige “Beugungsspikes” bei hellen Sternen. Was bei Astrofotos aus ästhetischen Gründen sogar gewünscht sein kann, stört bei der visuellen Beobachtung – und besonders bei der von Sirius B! Steht der nämlich einem solchen Spike zu nahe, wird er völlig überstrahlt. Kann man das Teleskoprohr (und damit die Spikes) nicht entlang seiner Achse verdrehen, bleibt (bei azimutal montierten Teleskopen) nur abzuwarten, bis sich die Position der Spikes relativ zum Positionswinkel von Sirius B aufgrund der Erddrehung verändert hat. Sieht man also trotz eigentlich guten Bedingungen nichts, nach ein, zwei Stunden nochmal gucken!

Tja – und wenn alles klappt, sieht man ein kleines, mickriges Sternchen (mehr). Aber dieses Sternchen komprimiert immerhin 98% der Masse der Sonne auf weniger als die Größe der Erde – ein wirklich extremes Objekt. Man sieht es ihm zwar nicht an, aber zu wissen, was man da im Okular hat macht alle Mühen wieder wett!

3 thoughts on “Blog-Flashback #15: Ein Weißer Zwerg im Teleskop

    • Paul Leyland 2019-02-06 / 15:48

      Forgot to mention: I’ll try for Procyon B soon. It will be much harder and there’s a good chance it will be impossible.

    • janhattenbach 2019-02-06 / 19:50

      Great image! It’s really tricky to observe and image, funny that you caught it by surprise! Thanks for sharing!
      CS, Jan

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