Call for observation: Triton bedeckt Stern am 5./6. Oktober

Neptuns Mond Triton ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 13,5mag schon mit mittleren Teleskopen zu sehen. Er steht meistens um die 10 Bogensekunden neben seinem Planeten. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober kommt es zu einem seltenen Himmelsereignis: Triton bedeckt den 12,7mag hellen Stern UCAC4 410-143659. Sichtbar ist die Okkultation von Europa und Nordamerika. Auch Amateurastronomen können wertvolle Daten sammeln.

Was ist Triton und was macht ihn besonders?

Triton ist mit 2706 Kilometern Durchmesser der größte Mond des Neptun und der sechstgrößte des Sonnensystems. Sein ungewöhnlich hoher Albedo (Rückstrahlwert) von 0,76 lässt ihn mit 13,5mag heller erscheinen, als die (näheren) Uranusmonde. Bei ruhiger Luft, mit Teleskopen ab etwa 20cm Öffnung und Vergrößerungen ab etwa 250-300fach kann man ihn als schwaches Sternchen ungefähr 10 Bogensekunden neben dem 7,8mag hellen Neptun sehen.

Triton umrundet seinen Planeten retrograd, d.h. entgegen der Rotationsrichtung des Neptun. Er ist sehr wahrscheinlich nicht gemeinsam mit Neptun entstanden, sondern ist ein eingefangenes Kuipergürtelobjekt. Das macht in für Planetenforscher besonders interessant. Triton verfügt außerdem über eine (im Verhältnis zur Erdatmosphäre) dünne Atmosphäre, die hauptsächlich aus Stickstoff und Kohlendioxyd besteht.

Wenn Triton am 5./6. Oktober über den 12,7 (v) mag hellen Stern UCAC4 410-143659 im Sternbild Wassermann wandert, erhoffen sich die Astronomen auch Erkenntnisse über diese Atmosphäre. Denn das Licht des Sterns passiert eben auch die Gashülle des Mondes. Neben zahlreichen erdgebundenen Observatorien wird auch die Flugzeugsternwarte Sofia die Sternbedeckung beobachten.

Wann genau findet die Bedeckung statt?

Um 23:51:50± 00:01:091 Weltzeit UT, also um 01:51:50 MESZ passiert das Zentrum des Tritonschattes das Zentrum der Erde. Je nach Beobachtungsort findet das Ereignis einige Minuten früher oder später statt. Dazu kommen noch Ungewissheiten den Stern betreffend – es konnte ein nicht aufgelöster Doppelstern sein. Man sollte also besser von 01:30 MESZ bis 02:10 MESZ beobachten (±20 Minuten ungefähr, vielleicht auch etwas länger).

Wie lange dauert die Bedeckung?

Knapp drei Minuten (161 s) auf der Zentrallinie des Tritonschattens, je weiter außen, desto kürzer.

Wo ist das Ereignis zu sehen?

In fast ganz Europa, Nordafrika, dem Atlantik und Teilen Nordamerikas und der Karibik (siehe Bild).

Pfad des Tritonschattens am 5./6. Oktober 2017. Innerhalb der durchgezogenen Linien ist das Ereignis zu sehen. Bild: euraster.net
Pfad des Tritonschattens am 5./6. Oktober 2017. Innerhalb der durchgezogenen Linien ist das Ereignis zu sehen. Bild: euraster.net

Was weiss man über den Stern UCAC4 410-143659?

Nicht viel. Seine Position ist RA 22 54 18.4 Dec -08 00 8.3 (J2000), seine visuelle Helligkeit beträgt 12,657mag. Spektraltyp: unbekannt. Handelt es sich um einen Doppelstern, hätte das signifikante Auswirkungen auf Zeitpunkt und dauer der Bedeckung (s.o.).

Was braucht man zur Beobachtung und was beobachtet man eigentlich?

Amateurastronomen können versuchen, die genauen Zeitpunkte der Bedeckung festzuhalten. Dazu ist ein möglichst großes Teleskop (20 cm Öffnung ist Minimum, besser mehr) mit langer Brennweite erforderlich. Außerdem eine Video- oder CCD-Kamera, eine möglichst auf Sub-Sekundenniveau genau gehende Uhr und die genauen Koordinaten des Beobachtungsorts. Das Equipment sollte ein hohes Signal-zu-Rauschverhältnis bieten, um möglichst kurze Belichtungszeiten zu erreichen. Vor, während und nach der Bedeckung nimmt man dann eine Serie von Bildern auf, aus denen man dann die Helligkeitskurve der Bedeckung extrahieren kann. Wenn möglich, sollte man einen oder mehrere Referenzsterne mit ablichten, deren Helligkeiten in etwa denen von Triton bzw. dem Stern entsprechen.

Scheinbare Bewegung von Neptun und Triton zwischen 22 UT (5. 10.) und 02 UT (06 .10. 2017). Gegen 23:50 UT kommt es zur Bedeckung. Grafik erstellt mit Cartes du Ciel
Scheinbare Bewegung von Neptun und Triton zwischen 22 UT (5. 10.) und 02 UT (06 .10. 2017). Gegen 23:50 UT kommt es zur Bedeckung. Grafik erstellt mit Cartes du Ciel

Da Schatten des Mondes mit 16,8 km/s über die Erde rast, bedeutet eine Ungenauigkeit der Messung von einer Sekunde eine Ungenauigkeit von 16,8 Kilometern bezüglich der Position bzw. des gemessenen Radius von Triton. Die genaue Kalibration der Rechneruhr ist daher von zentraler Bedeutung (in den Links weiter unten gibt es Tipps dazu).

Im Sommer 2016 haben wir zum Beispiel bei einer Sternbedeckung durch Pluto eine Belichtung von 10 Sekunden gebraucht, und das mit einem 40-Zentimeter-Teleskop. Auch wenn Triton und UCAC4 410-143659 rund zwei Magnituden heller sind, dürften noch mehrere Sekunden nötig sein. Das reicht nicht aus, um das „Dimming“ durch die Tritonatmosphäre zu erkennen, kann aber immer noch helfen, Beginn und Ende der Bedeckung für verschiedene Orte auf der Welt zu dokumentieren.

Wichtig: Wer sinnvolle Beobachtungen machen will, sollte unbedingt sein Equipment einige Nächte vorher testen!

Was genau wird man sehen?

Triton und der Stern werden um die Bedeckungszeit herum nicht getrennt zu sehen sein, sondern zu einer einzigen Punktquelle verschwimmen. Deren Helligkeit beträgt vor und nach der Bedeckung 12,3 mag (Summe aus den Einzelmagnituden 12,7mag und 13,5mag). Während der Bedeckung fällt die Helligkeit dann auf die Helligkeit Tritons ab, also auf 13,5mag. Das ist ein Helligkeitsabfall von rund 1,2mag oder etwa 50%. Wie das aussieht, kann man sich hier im Fall der eben erwähnten Sternbedeckung durch Pluto ansehen.

Problematisch könnte sich der 7,8 mag helle Neptun auswirken, der nur 11 Bogensekunden von Triton entfernt steht. Auch der Mond (die Bedeckung findet nur fünf Stunden nach Vollmond statt) wird die Beobachtungen stören.

Welche Software kann man zum Auswerten der Beobachtungsdaten nutzen?

Wenn es darum geht, Helligkeiten von Sternen o. ä. zu messen, habe ich gute Erfahrungen mit der Software Iris gemacht.

Wo schickt man die Beobachtungsdaten ein?

Z.B. hierhin.

Wo findet man weitere Informationen?

Zum Beispiel auf dieser Webseite des MIT oder auf der Seite von Tim Haymes (sehr ausführlich uns praxisorientiert!) Hier gibt es auch weitere Infos zur Aufnahmetechnik sowie Aufsuchkarten. Tritons Position zu jedem beliebigen Zeitpunkt zeigt der Triton Tracker von Sky&Telescope.

What could possibly go wrong?

Alles. Deshalb zunächst: Clear Skies!

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