Das Twitter-Teleskop

So ein 24-Zoll CDK ist schon eine feine Sache. Ein Teleskop mit mehr als einem halben Meter Spiegeldurchmesser würde mancher gern haben (ich auch). Wer Twitter (Facebook oder einfach Email gehen auch) nutzt, kann nun immerhin mit einem fotografieren: Das Burke-Gaffney-Observatorium der St. Mary’s University im kanadischen Halifax lässt sich problemlos über Social Media ansteuern und nutzen, und das weltweit und von jedermann. Ich hab’s ausprobiert und bin begeistert.

Vom Twitter-Teleskop  habe ich durch John Read erfahren, einem kanadischen Amateurastronomen und Buchautor. Die Anmeldung ging problemlos: Einfach ein Tweet an @smubgobs mit einigen Infos über einen selbst senden und einige Zeit später kommt, wenn alles gut geht, die Bestätigung, dass man als Beobachter registriert ist:

Auf der Webseite des Observatoriums kann man sich ansehen, welche Kommandos das Teleskop versteht. Man kann zum Beispiel erst einmal fragen, wie das Wetter gerade vor Ort ist. Die Antwort kommt spätestens nach wenigen Minuten:

Ok, im Osten Kanadas ist der Himmel öfters bewölkt. Dass es deshalb etwas dauern kann, bis eine Beobachtung durchgeführt werden kann, versteht sich von selbst. Außerdem haben die Beobachtungsanfragen von Studenten der Universität Vorrang, auch das ist natürlich einzusehen. Man kann sich auch den Himmel vor Ort per Webcam ansehen, und sogar eine Domecam für ein aktuelles Bild aus dem innern der Kuppel anfordern. Letzteres funktionierte bei meinem ersten Versuch allerdings nicht.

Höchste Zeit für die erste Beobachtungsanfrage (#request). Mein Ziel sollte die Galaxie NGC 6946 sein, in der zur Zeit die Supernova SN 2017eaw zu sehen ist. Die kann ich mit meinem derzeitigen eigenen Equipment nicht wirklich gut fotografieren, mit einem 24 Zoll CDK hingegen…

Mit diesem Befehl wird die Beobachtung in die Warteliste eingetragen.  Ohne weitere Parameter wird die Kamera 300 Sekunden lang ein Lunimanzbild belichten, das ein Feld von 24×24 Bogenminuten (1536×1536 Pixel) hat. Mit entsprechenden Parametern könnte ich das Feld vergrößern, die Belichtungszeit ändern und auch verschiedene Filter einsetzen, etwa um ein RGB-Farbbild zu erhalten. Für einen ersten Versuch und dieses spezielle Objekt fand ich die Standardeinstellungen aber ok. Bei der Kamera handelt es sich übrigens um eine Apogee CG-16M mit Filterrad.

Natürlich kann man sich die eigenen Anfragen auch später ansehen, bearbeiten oder auch löschen. Welche requests momentan auf der Liste stehen, kann man sich über die Webseite anschauen, indem man unter „Queues and Observers“ auf „Requested Observations“ klickt.

In meinem Falle dauerte es bis zum 8. Juni, bis ich einen Tweet vom Observatorium bekam, der sagte, dass mein Bild fertig ist – zusammen mit einer kleinen Vorschau:

Bearbeitet werden die Bilder tagsüber oder wenn das Teleskop wegen schlechtem Wetter keine Beobachtungen durchführt. Es dauert also nicht lange, bis die Daten zum Download bereitstehen, und zwar als jpg als auch als Rohbild im in der Astronomie gängigen fits-Format:

Das fertige Bild, mit allen Daten und Downloadlinks ist hier abrufbar. Man kann sich die Rohbilder nun auf den eigenen Rechner laden und dort mir Software seiner Wahl bearbeiten (ich nutze Fitswork und Photoshop zur Bearbeitung). Man muss aber nicht: Das Teleskop stellt eine Reihe von Bearbeitungsroutinen zur Verfügung, die man wiederum über Twitter aufrufen kann. So wollte ich den beim Vorschau-jpg sichtbaren Helligkeitsgradienten entfernen und eine andere Technik zur Kontrastanhebung ausprobieren. Wenn das Teleskop nicht gerade beobachtet (oder anderweitig nicht in Betrieb ist), kommen die Antworten nach wenigen Minuten:

Das mit dem Gradienten hat schon mal ganz gut geklappt. Mit dem Kontrast bin ich noch nicht zufrieden. Ich werde die Bearbeitung wohl schon noch selbst durchführen. Aber gut zu wissen, dass man auch ohne eigene Software eine Menge Möglichkeiten dazu hat. Die Liste der Berabeitungskommandos findet man natürlich auch auf der Webseite. Natürlich kann man auch RGB-Bilder direkt via Twitter zusammensetzen, wenn man vorher Bilder mit entsprechenden Filtern aufgenommen hat.

Auch wenn ich als Amateur weiterhin lieber selbst draußen stehe und dafür einfacheres Equipment unter „richtigem“ Sternenhimmel dem besten Remote-Teleskop bevorzuge, ist ein Projekt wie dieses eine tolle Sache. Besonders, weil man kostenlos Zugriff darauf hat (was natürlich ein Problem werden könnte, wenn die Anfragen mehr  werden).

Alle Infos zur Anmeldung und Nutzung des Burke-Gaffney-Observatoriums finden sich auf der Webseite (in Englisch). Hilfreich sind auch die folgenden kurzen Videos. Das erste stammt von John Read und beschreibt noch mal den Anmeldevorgang und wie man eine Beobachtungsanfrage via Twitter stellt:

Das zweite Video ist von David Lane, dem Mann hinter dem Twitter-Teleskop. In ihm erklärt er einige grundlegende Schritte zur Bearbeitung der Fotos:

Das 24-Zoll-Teleskop lässt sich hier bewundern:

Fotografiert werden kann eigentlich alles, sofern es von Kanada aus am Nachthimmel zu sehen ist. Ausnahme sind Sonne, Mond und helle Sterne. Wenn man sich mal vertut, wird einem das Teleskop das schon mitteilen:

Nicht ganz klar ist mir, wie die Universität die Bildrechte handhabt. Man sagte mir, dass eine entsprechende Regelung derzeit noch in Arbeit sei. Wenn ich dazu etwas erfahre, trage ich das hier nach. Wie mir John Read versicherte, sind neue Beobachter jedenfalls willkommen. Dieser Eintrag darf also als Aufforderung verstanden werden, sich selbst mal an dem Teleskop zu versuchen! Damit sich solche Meldungen nicht häufen:

3 thoughts on “Das Twitter-Teleskop

  1. F. Tietze 2017-06-13 / 14:57

    Hallo Jan,

    in den Jobdaten stehen 180s Belichtungszeit, im Fits-Header nur 60s. Ich vermute, dass der fits-Header stimmt. Findest du eine Erklärung für den Unterschied?

    Viele Grüße
    Falk

    • Jan Hattenbach 2017-06-13 / 16:39

      Das ist ein guter Hinweis. In der Command Reference steht zu dem Thema:

      „When the telescope takes the image, it actually splits the exposure into parts 60 seconds or less and automatically combines the parts into one image before it is sent to you. “

      Siehe: http://www.ap.smu.ca/pr/bgo-useme/bgo-commands#request

      Das klingt für mich so, als würde das Bild in mehreren Schritten zu je 60 Sekunden belichtet. Scheint so, als würde der FITS-Header nur einmal beschrieben. Das sollte man ändern (ich werde das mal weiterleiten)!

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