Das war der Merkurtransit 2019

Merkur war tatsächlich der einzige dunkle Fleck auf der Sonne – der Transit fiel mit einem der tiefsten solaren Minima seit Jahrzehnten zusammen. Vielleicht machte gerade das den Anblick der winzigen schwarzen Scheibe vor dem glühenden Sonnenball so beeindruckend. Ein kleiner Beobachtungsbericht.

Merkur vor der Sonne, am 11. November 2019. Für dieses Bild habe ich 2000 Einzelbilder mit meinem H-Alpha-Teleskop und einer ASI120-Videokamera aufgenommen, 97 Prozent davon weggeschmissen und aus den restlichen ein Summenbild erstellt. Die restliche Bildbarbeitung drehte sich hauptsächlich darum, die häßlichen Newtonringe der Kamera wegzubekommen, was mir nicht besonders gut gelungen ist.
Merkur vor der H-Alpha-Sonne, am 11. November 2019. Für dieses Bild habe ich 2000 Einzelbilder mit meinem H-Alpha-Teleskop und einer ASI120-Videokamera aufgenommen, 97 Prozent davon weggeschmissen und aus den restlichen ein Summenbild erstellt. Die folgende Bildbearbeitung drehte sich hauptsächlich darum, die hässlichen Newtonringe der Kamera wegzubekommen, was mir nicht besonders gut gelungen ist.

Den Merkurtransit verfolgte ich dieses Mal von La Palma aus. Es war mein dritter nach 2003 und 2016 (gesehen an der Volkssternwarte Aachen bzw. in München) und wieder einmal durfte ich mich über wolkenfreien Himmel freuen. Zudem war der Durchgang von den Kanaren aus (ganz knapp) vollständig zu sehen. Wenige Minuten nach dem vierten Kontakt versanken Sonne und Merkur im Atlantik.

Ausgestattet mit einem 70/420mm ED-Refraktor und Weißlichtfilter und einem 50mm H-alpha-Teleskop war ich diesmal so gut ausgestattet wie nie zuvor bei einem Planetentransit. Leider hatte ich auch das schlechteste Seeing von allen bislang von mir beobachteten Transits, die beiden Venusdurchgänge von 2004 und 2012 mit eingerechnet.

Ein vom Seeing ziemlich verunstaltetes Einzelbild im Weißlicht (1/3200s auf ISO 400 bei f/6).
Ein vom Seeing ziemlich verunstaltetes Einzelbild im Weißlicht (1/3200s auf ISO 400 bei f/6).

Seit Tagen hatten wir auf La Palma sehr starken Nordostwind, auf dem Roque de los Muchachos stürmte es, an der Ostseite hingen dichte Regenwolken. Im Westen war der Himmel klar und die Luft ruhig – Windschattenwetter eben. Doch in der Höhe tobte sich die turbulente Lust aus, das Sonnenbild zitterte im Teleskop nur so vor sich hin. So verpasste ich den dritten und vierten Kontakt denn auch Dank des zur Unkenntlichkeit verzerrten Merkurscheibchens.

Minuten ohne Sonnenschein während des Transits: Null.
Minuten ohne Sonnenschein während des Transits: Null.

Dieses Wettersituation ist übrigens ziemlich typisch, wenn auch nicht immer in dieser Prägnanz. Weht der Wind von Nordosten (und das tut er auf den Kanaren oft), ist dass Seeing auf der windabgewandten westlichen Seite der Insel meist schlecht. Wer dann Planeten o.ä. beobachten will, sollte auf den Berg oder auf dessen östliche Flanke gehen. Wenn es dort natürlich stürmt, ist das keine Alternative.

Gegen die größere und nähere Venus wirkt Merkur wie ein Zwerg. Auf diesem Komposit aus drei Bildern von 2012, 2016 und 2019 scheint der 2019er Merkur größer als der von 2016, was ich auf das grausige Seeing 2019 schiebe. Ansonsten müsste ich an der Sorgfältigkeit meiner Bildbearbeitung zweifeln, was ich selbstverständlich nicht tue.
Gegen die größere und nähere Venus wirkt Merkur wie ein Zwerg. Auf diesem Komposit aus drei Bildern von 2012, 2016 und 2019 scheint der 2019er Merkur größer als der von 2016, was ich auf das grausige Seeing 2019 schiebe. Ansonsten müsste ich an der Sorgfältigkeit meiner Bildbearbeitung zweifeln, was ich selbstverständlich nicht tue.

Immerhin hatte ich in den fünfeinhalb Stunden des Transits oft genug passable Luftruhe für ein paar Fotos. Beeindruckend fand ich, dass der Planet im H-alpha-Teleskop rund zwei Minuten vor seinem Erscheinen im Weißlicht sichtbar war. Die Chromosphäre erstreckt sich eben weiter als die Photosphäre. Ich hatte mir das bisher nie zuvor live angesehen und war dementsprechend begeistert.

Die folgenden fünfeinhalb Stunden hatte ich mir eigentlich zwischen Schreibtisch und Teleskop aufgeteilt vorgestellt. Es dauert aber doch eine ganze Weile, bis man dem H-Alpha ein paar vernünftige Bilder auf entlockt und der Festplatte zugestellt hat, so dass ich letztlich doch meistens draußen am Fernrohr war. Es bestätigte sich im übrigen die alte Beobachtung, dass während eines astronomischen Ereignisses (Sonnenfinsternis, etc.) die Zeit etwa um das zehnfache beschleunigt abläuft.

Der nächste Merkurtransit ereignet sich erst 2032. Genug Zeit, sich über einen wetter- und seeingsicheren Beobachtungsplatz Gedanken zu machen.

3 thoughts on “Das war der Merkurtransit 2019

  1. Karl-Heinz van Heek 2019-11-15 / 11:27

    Hallo Jan,
    danke für diesen schönen Bericht über deine Merkurtransitbeobachtung, hier in Aachen war ja leider nichts drin,ich hatte mich auch gut gerüstet und gleich drei Aufnahmemöglichkeiten aufgebaut,doch wie gesagt nichts 🙁
    Umso schöner das du Glück hattest, dein Komposit gefällt mir besonders,man kann so super das Größenverhältnis zwischen Venus und Merkur erkennen;Klasse!
    Wenn du noch mal mit diesen Newtonringen zu tun hast, das siehst du ja schon bei der Beobachtung, löse doch dann einfach die Klemmung der Einsteckhülse und lass die Kamera lose drin, in vielen Fällen ( je nach Kamera) sind die Ringe dann weg!
    Also, von mir ein Danke für den schönen Bericht und liebe Grüße aus Aachen
    Kalle

    • janhattenbach 2019-11-15 / 12:23

      Hallo Kalle,
      danke für deinen Tipp zu den Newtonringen, ich werde es mal ausprobieren! Übrigens war es auch Glück, dass wir auf La Palma (und das ja auch nur im westlichen Teil der Insel) am Montag klaren Himmel hatten. Zwei Tage später sah das ganz anders aus und auch heute regnet es ab und an mal!
      Viele Grüße ins heimische Aachen!
      Jan

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