Deep-Sky am Limit

Die folgenden vier Objekte sind etwas für fortgeschrittene Deep-Sky-Beobachter. Ein etwas größeres Teleskop und ein dunkler Himmel sind für eine erfolgreiche Beobachtung Voraussetzung. Wer traut sich?

Die Sichtungen habe ich in den vergangenen Monaten mit meinem 400mm-Newton von La Palma aus gemacht. Ich denke, dass die Objekte auch mit etwa 300mm Öffnung und unter gutem Landhimmel möglich sind. Die Anregungen stammten aus der Zeitschrift Sterne und Weltraum und den Foren von astrotreff.de und astronomie.de. Es handelt sich um exotische, aber nicht besonders spektakuläre Objekte – der Reiz besteht darin, sie überhaupt mit eigenen Augen zu sehen!

R Aquarii und Cederblad 211

R Aquarii ist ein sogenannter “symbiotischer Stern”, also ein Binärsystem aus einem veränderlichen Riesenstern des Mira-Typs und einen Weißen Zwerg. Das System wird von einem Nebel namens Cederblad 211 (Ced 211) umgeben, über den Ende 2018 die ESO in einer Pressemeldung berichtete. Mich interessierte vor allem, ob der Nebel visuell im Teleskop erreichbar ist.

Ist er! am 27. 12. konnte ich Ced 211 bei 350-450facher Vergrößerung als länglichen Nebel um R Aquarii sehen. Das Binärsystem selbst ist nicht auflösbar und erscheint als Einzelstern. Für den Nebel war indirektes Sehen erforderlich. Er hat eine “S”-Form und ist in Richtung SW-NO orientiert. Der nördliche Teil ist eindeutig heller und enthält einen hellen Knoten, der manchmal wie ein Stern aufblitze. Der SW-Teil ist deutlich schwächer, und nur blickweise zu erkennen. Er läuft diffus in den Hintergrund aus.

R Aquarii und Ced 211. 16" f/4,5 Newton, 365x, kein Filter. Norden ist oben, Osten links.
R Aquarii und Ced 211. 16″ f/4,5 Newton, 365x, kein Filter. Norden ist oben, Osten links.

Eine Nacht später konnte ich die Beobachtung wiederholen. Das SQM zeigte 21,4 mag/”^2, das Seeing war mittelprächtig.

Position: RA: 23h 43m 49,4s, DE: −15° 17′ 04,2″, Sternbild Wassermann

Neutrinospeiender Blazar TXS0506+056

Dieser 5,7 Milliarden Lichtjahre entfernte Blazar wurde im Jahr 2018 berühmt, denn er ist die erste nachgewiesene extragalaktische Quelle von energiereichen Neutrinos (naja, gefunden hat man bisher nur ein Neutrino, aber Astrophysiker sind halt bescheidene Leute). Mit einer scheinbaren Helligkeit von 14,8 mag sollte er in Reichweite meines 16-Zöllers liegen.

Am 9.1.2019 gelang mir die Sichtung. Der Blazar war ab 200facher Vergrößerung erstaunlich einfach als schwaches Sternchen zu sehen. Er steht direkt östlich eines etwa gleich hellen Sterns. Wie gesagt – nicht spektakulär. Bis man sich klar macht, dass man hier Photonen auf die Netzhaut bekommt, die älter sind als das Sonnensystem.

Blazar TXS0506+056 erscheint im Teleskop als knapp 15mag heller Stern. 16" f/4,5 Newton, 260x. Norden ist oben, Osten links.
Blazar TXS0506+056 erscheint im Teleskop als knapp 15mag heller Stern. 16″ f/4,5 Newton, 260x. Norden ist oben, Osten links.

Position: RA: 05h 09m 25.9s, DE: +05° 41′ 35.3″, Sternbild: Orion

Unscheinbarer Nachbar CN Leo

Star Trek-Fans ist CN Leo wohlbekannt, und zwar unter seinem Alternativnamen “Wolf 359”. Bei besagtem Stern fand (bzw. wird im 24. Jahrhundert stattfinden) schließlich eine entscheidende Schlacht der Föderation gegen die Borg statt. Für Astronomen ist Wolf 359 deshalb interessant, weil er mit 7,8 Lichtjahren Entfernung zu unseren nächsten Nachbarsternen gehört.

Trotz seiner Nähe ist er schwierig zu sehen, denn CN Leo ist einer der leuchtschwächsten Sterne überhaupt. Er besitzt nur rund 10% der Sonnenmasse und hat damit gerade genug Masse, um in seinem Zentrum die Wasserstoffusion zu starten. CN Leo ist damit ein Grenzfall zwischen einem Braunen und einem Roten Zwerg (mehr dazu). Seine (schwankende) Helligkeit wird mit 13,5mag angegeben, damit sollte er ein einfaches Ziel für den 16-Zöller sein. Allerdings muss man eine aktuelle Aufsuchkarte zur Hand haben, denn mit einer Eigenbewegung von 5″/Jahr bewegt sich Wolf 359 in wenigen Jahren merklich über den Himmel! (Ich habe mit daher eine Aufsuchkarte auf der AAVSO-Webseite erstellt.)

CN Leo, oder auch Wolf 359, ist ein unscheinbares Sternchen im Sternbild Löwe. Seine Helligkeit wird mit 13,5mag angegeben, mir schien er aber deutlich schwächer, eher in Richtung 15mag. 16" f/4,5 Newton, 260x, Norden oben, Osten links.
CN Leo, oder auch Wolf 359, ist ein unscheinbares Sternchen im Sternbild Löwe. Seine Helligkeit wird mit 13,5mag angegeben, mir schien er aber deutlich schwächer, eher in Richtung 14-15mag. 16″ f/4,5 Newton, 260x, Norden oben, Osten links.

Tatsächlich war es kein Problem, den Stern ab etwa 200fach mit indirektem Sehen zu erkennen. Er schien im Vergleich mit den Umgebungssternen allerdings deutlich schwächer als die angegeben 13,5mag. Anfang 2019 steht Wolf 359 bzw. CN Leo nur wenige Bogensekunden nordöstlich eines etwas helleren Sterns. Eine rötliche Färbung konnte ich aber nicht erkennen. Mit 21,7mag/”^2 war der Himmel sehr dunkel, auch das Seeing war gut.

Position: RA: 10h 56m 28.9s, DE: +07° 00′ 53.1″, Sternbild: Löwe

Andromedas Fallschirm: ein mehrfach gelinster Quasar

Der Titel “Deep Sky am Limit” trifft für Andromedas Fallschirm am besten zu. Zwar konnte ich den Quasar selbst ohne Probleme sehen (indirekt gelang mir das sogar mit meinem 250mm-Newton). Bis heute ist es mir aber trotz mehrfachen Versuchen nicht gelungen, die Form des Mehrfachquasars eindeutig zu erkennen.

“Andromedas Fallschirm”, eigentlich Quasar J014709+463037, ist ein Quasar, dessen Licht rund 11 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war. Er wird durch eine nicht sichtbare, also Gravitationslinse wirkende Vordergrundgalaxie vierfach abgebildet, wobei die vier Bilder die Form eines “Fallschirms” bilden, daher der Spitzname. Zumindest die drei hellsten Komponenten, die den “Schirm” bilden, erreichen eine scheinbare Helligkeit von rund 15mag und sind damit in Reichweite des 16 Zöllers.

Wie gesagt, den Quasar zu sehen war nicht das Problem. Die drei Bilder des Schirms (Bild Nummer vier ist mit 19mag viel zu schwach) aufzulösen, ist dagegen undenkbar mit 16 Zoll. Die Frage ist, ob ich die drei Bilder zumindest als länglich wahrnehmen kann.

"Andromedas Fallschirm" (das längliche Objekt oben rechts). 16" f/4,5 Newton 600x. Ob ich das Objekt wirklich länglich sah, ist zumindest zweifelhaft. Norden ist oben, Osten links.
“Andromedas Fallschirm” (das längliche Objekt oben rechts). 16″ f/4,5 Newton 600x. Ob ich das Objekt wirklich länglich sah, ist zumindest zweifelhaft. Norden ist oben, Osten links.

Ich bin mir nicht sicher. Manchmal schien es mir, als sähe ich einen länglichen Strich anstelle eines punktförmigen Objekts. Leider hatte ich dabei die Abbildung aus Sterne und Weltraum 11/2018 im Kopf, wusste also, in welche Richtung der Fallschirm orientiert sein musste. Vielleicht also handelt es sich bei meiner Wahrnehmung um Wunschdenken.

Nächstes Jahr muss ich den Versuch bei besserem Seeing wiederholen (mittlerweile steht mir Andromeda zu tief). Denn auf die Luftruhe kommt es bei dieser Beobachung (bei ca. 600fach) mehr an als auf einen transparenten Himmel.

Position: RA: 01h 47m 09s, DE: +46° 30′ 37″, Sternbild: Andromeda

Hatte jemand meiner Leser Erfolg mit diesen eher ungewöhnlichen Objekten – visuell oder fotografisch? Oder hat jemand noch andere exotische Deep-Sky-Objekte auf Lager? An neuen Beobachtungsideen bin ich immer interessiert!

One thought on “Deep-Sky am Limit

  1. Thomas Schiffer 2019-03-01 / 13:34

    Hallo Jan,
    es ist schon erstaunlich was mit Amateurmitteln am Nachthimmel zu erreichen ist.
    Mit eigenen Augen zu sehen ist unvergleichbar zu Fotos, eben eine Grenzerfahrung,
    die mir unter Eurem Nachthimmel (am Limit) auch möglich war.
    In Zeiten von Apps und Wiki geht diese Erfahrung vielen Menschen verloren, so wie wir
    auch das schreiben mit der Hand verlernen.
    Vielen Dank für Deine Arbeit und der Aufforderung, der hoffentlich viele nachkommen.
    Beste Grüße und CS, Thomas

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