Die Bedrohung aus dem All – wie gefährlich sind Asteroiden?

Seit das Thema Asteroiden-Einschläge von privaten Organisationen aufgegriffen wurde, geistert es recht häufig durch die Presse. Praktischerweise wurde der jährliche “Asteroid Day“, der auf die drohende Gefahr aus dem All aufmerksam machen soll, auf den 30. Juni gelegt, also strategisch günstig zu Beginn des Sommerlochs.

Meteoritenkrater Peru
Der Meteoritenkrater von Carancas (Peru) entstand am 15. September 2007. Aufnahme vom 26. 09. 2007, 11 Tage nach dem Fall. Der Impaktor war nur wenige Meter groß.

Nun bestreitet kein verantwortungsbewusster Astronom, dass von Asteroiden eine potentielle Gefahr für die Erde und ihre Bewohner ausgeht. Allerdings lohnt es sich, gerade vor dem Verfassen eines Artikels zu dem Thema, sich mit einigen Fakten vertraut zu machen. Daher sei der Besuch dieser Webseite der ESA vor allem Journalisten empfohlen, aber auch allen anderen, die sich unaufgeregt über das Thema Asteroideneinschläge informieren wollen.

Impaktfrequenz gegen Größe des Impaktors. Quelle: ESA/NEOCC
Impaktfrequenz gegen Größe des Impaktors. Quelle: ESA/NEOCC

Die Seite ist kurz und besteht im Wesentlichen aus zwei Grafiken, die ich hier einmal hineinkopiert habe (s. oben und unten). Sie zeigen die Wahrscheinlichkeit des Einschlags eines Asteroiden in Abhängigkeit seiner Größe und den damit verbundenen Konsequenzen, illustriert mit Beispielen tatsächlicher Einschläge aus der nahen und (sehr) fernen Vergangenheit.

Impaktorklassen und ihre Auswirkungen auf die Erde. Quelle: ESA/NEOCC
Impaktorklassen und ihre Auswirkungen auf die Erde. Quelle: ESA/NEOCC

Die Grafiken verdeutlichen im Wesentlichen drei wichtige Tatsachen:

  1. Ein Einschlag mit globalen Konsequenzen (das Ende der Menschheit) ist extrem selten. Die Eintrittsfrequenz (wie oft kommt es statistisch gesehen zu einem Ereignis dieser Größenordnung) liegt bei vielen Millionen Jahren. Die entsprechenden Brocken haben Durchmesser von einem Kilometer oder mehr.
  2. Einschläge von kleineren Asteroiden (100 Meter und mehr) können die Menschheit nicht auslöschen, aber für regionale und kontinentale Schäden sorgen. Ihre Einschlagsfrequenz ist höher, liegt aber immer noch bei  10.000 Jahren und mehr. Ein Objekt wie Tscheljabinsk trifft die Erde statistisch gesehen einmal pro Jahrhundert.
  3. Impakte kleiner Brocken von wenigen Metern Größe sind nahezu an der Tagesordnung. Sie richten in aller Regel keine Schäden an, die über zerstörte Hausdächer o. ä. hinausgehen.

Aber was nützt alle Statistik, wenn das “extrem seltene Ereignis” morgen eintritt? Dazu muss man wissen, dass je größer ein Asteroid ist, man ihn umso früher entdecken kann. Und gesucht wird nach potentiellen Erdgefährdern schon seit vielen Jahren. So sind von den 1-km-und-größer-Brocken rund 90% entdeckt und bekannt. Wir wissen also, dass uns davon so schnell keiner treffen wird.

Für 100-Meter-Objekte fällt diese Zahl auf 10% – hier muss mehr getan werden. Allerdings muss man diese Bedrohung gegen andere Gefahren des Lebens abwägen. Leider kommt vielen Menschen Besonnenheit und Rationalität bei der Bewertung der Risiken des Lebens (nicht nur beim Thema Asteroideneinschläge) allzuschnell abhanden.

Mit dem Sinn und Unsinn des Asteroid-Day beschäftigt sich mein Artikel bei Sky&Telescope (englisch):

Do we need “Asteroid Day”?

Weitere Links zum Thema aus den Himmelslichtern:

Atombomben auf Spatzen

Asteroidenjäger Sentinel – die NASA steigt aus

Zweifacher Weckruf

Ergebnisse zum Meteoritenfall von Peru veröffentlicht

 

 

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