Die Lyriden-Katastrophe, Version 2018

Der Sternschnuppenstrom der Lyriden wird seit ein paar Jahren jedes Frühjahr von den sogenannten “Mainstreammedien” augegriffen. “Gehypt”, könnte man auch sagen. Warum, ist mir ein Rätsel. Besonders spektakulär ist er nicht. Vermutlich gibt es im April sonst einfach nicht genug zu berichten. Auch in diesem Jahr ist das wieder so, deshalb hier ein paar Hinweise zur Beobachtung des Lyridenströmchens.

Die Lyriden stammen vom Kometen C/1861 G1 Thatcher, der alle 415 Jahre die Sonne einmal umrundet. Ihr Radiant, also der Punkt am Himmel, aus dem die Meteore zu kommen scheinen, liegt nahe des Sternbilds Leier (lat. Lyra), daher ihr Name. Die Leier ist ein kleines, aber auffälliges Sommersternbild. Ihr Hauptstern ist die helle Wega, das hellste Mitglied des “Sommerdreiecks”, zu dem auch Deneb im Schwan und Altair im Adler zählen. Die Sternschnuppen sind über den gesamten Himmel zu sehen, nicht nur in der Nähe des Radianten.

Der Radiant der Lyriden liegt zwischen den Sternbildern Leier und Herkules, unweit des hellen Stzerns Wega, die mit Deneb und Altair das "Sommerdreieck" bildet. Grafik: Stellarium
Der Radiant der Lyriden liegt zwischen den Sternbildern Leier und Herkules, unweit des hellen Sterns Wega, die mit Deneb und Altair das “Sommerdreieck” bildet. Grafik: Stellarium

Die Lyriden sind ein schwacher Sternschnuppenstrom. In der Vergangenheit kam es zwar immer mal wieder zu Ausbrüchen mit erhöhter Aktivität. Das letzte Mal war das allerdings 1982 der Fall, und der nächste dieser Ausbrüche wird erst für 2042 erwartet. In den übrigen Jahren, und auch in 2018, erreicht die Lyridenaktivität maximal 15-20 Meteore pro Stunde, und das in einem recht engen Zeitfenster.

Diese Zahl (15-20 pro Stunde) ist die sogenannte Zenitstundenrate. Sie bezieht sich auf einen Beobachter, für den der Radiant im Zenit steht, also direkt über ihm. Das passiert im April annäherungsweise erst mit Anbruch der Dämmerung am frühen Morgen. Außerdem muss der Nachthimmel wirklich dunkel sein. Also so dunkel, dass man noch problemlos Sterne der 6. Größenklasse sehen kann. Das ist, sind wir ehrlich, dank Lichtverschmutzung in Mitteleuropa außer auf einigen Alpenpässen kaum noch irgendwo der Fall.

Die realistische Stundenrate liegt daher immer unter der Zenitstundenrate. Ich schätze sie für dieses Jahr auf etwa 10 Lyriden pro Stunde. Das wären etwa alle sechs Minuten ein Lyrid. Da liegt die Herausforderung eher darin, diese von den übrigen sporadische Meteoren oder denen anderer Ströme zu unterscheiden. (Sternschnuppen kann man in jeder klaren und dunklen Nacht sehen, nicht nur, wenn das in der Zeitung steht.)

Wer die Lyriden 2018 sehen will, der tut das am besten am Morgen des 22. April. In der Nacht vom 21. auf den 22. kreuzt die Erde den dichtesten Bereich des Meteorstroms, und deshalb sind dann die meisten Meteore zu sehen. Zwar ist der Strom vom 14 bis zum 30. April aktiv, die Raten sind außerhalb der Maximumsnacht aber nochmals deutlich geringer.

Der Mond geht am 22. 4. um 02:30 Uhr MESZ unter. Zwischen diesem Zeitpunkt und der Dämmerung etwa gegen 04:30 Uhr ist die beste Zeit, die Lyriden 2018 zu sehen. Ab und an ist auch mal eine richtig helle darunter. Und wer ein Teleskop dabei hat, kann sich die Zeit mit Jupiter, Saturn und Mars vertreiben: die drei Planeten stehen aufgereit am Morgenhimmel. Da lohnt sich das frühe Aufstehen dann schon.

Saturn und Mars in der aufgehenden Sommermilchstraße am Morgen des 17. April 2018, aufgenommen an einem wirklich dunklen Ort.
Saturn und Mars in der aufgehenden Sommermilchstraße am Morgen des 17. April 2018, aufgenommen an einem wirklich dunklen Ort.

Dafür klaren Himmel!

Viewing the Lyrid Meteor Shower in 2018 – Beitrag von Robert Lunsford (IMO)

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