Die Münchner Universitätssternwarte wurde 200 (und kaum einer hat es gemerkt)

Mehr durch Zufall erfuhr ich kürzlich, dass die Münchner Sternwarte in Bogenhausen – seit 1937 der Ludwig-Maximilians-Universität zugehörig – in diesem Jahr einen runden Geburtstag gefeiert hat. Im Jahr 1816 war ihr einstiges repräsentatives Gebäude am noch heute aktuellen Standort an der Scheinerstraße errichtet worden, nachdem es bereits einige Jahre lang eine Interimssternwarte im Stadtteil Haidhausen gegeben hatte. Da wollte ich natürlich wissen, wass es dort heute noch zu sehen gibt. Ein Besuch in Bildern.

Reichlich versteckt im Münchener Villenviertel Bogenhausen befindet sich die heutige Universitätssternwarte der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) auf deren Gelände noch der Refraktorsaal von 1835 (links) und das Gebäude des Vertikalkreises (rechts) zu finden sind.
Reichlich versteckt im Münchener Villenviertel Bogenhausen befindet sich die heutige Universitätssternwarte der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) auf deren Gelände noch der Refraktorsaal von 1835 (Mitte) und das Gebäude des Vertikalkreises (rechts) zu finden sind.

Das ursprüngliche Gebäude existiert heute nicht mehr, es musste 1964 einem dem Stile der Zeit entsprechenden Zweckbau weichen. Dafür sind zwei weitere historische Schmuckstücke erhalten: Der 1835 errichtete Refraktorraum mit dem Fraunhoferschen “Riesenfernrohr”, und ein kleineres Gebäude, das den 1927 angeschafften und vor kurzem wunderschön restaurierten Askania-Vertikalkreis beherbergt.

Der 1835 aufgestellte Fraunhofersche Refraktor besitzt einen Objektivdurchmesser von 28.5 cm. Fraunhofer selbst begann mit der Fertigung, die allerdings erst nach seinem Tod von Georg Merz abgeschlossen wurde.
Der 1835 aufgestellte Fraunhofersche Refraktor besitzt einen Objektivdurchmesser von 28.5 cm. Fraunhofer selbst begann mit der Fertigung, die allerdings erst nach seinem Tod von Georg Merz abgeschlossen wurde.

Dank der guten Kontakte meiner Kollegin Felicitas Mokler kam ich letzte Woche in den Genuss einer Privatführung, für die sich Dr. Arno Riffeser Zeit nahm (herzlichen Dank dafür)! Ein paar Bilder dieser Tour möchte ich hier teilen.

Der Fraunhofer-Refraktor ist noch heute voll einsatzfähig.
Der Fraunhofer-Refraktor ist noch heute voll einsatzfähig.

Dass die Bogenhausener Sternwarte in diesem Jahr ein rundes Jubiläum feiert, war mir komplett entgangen. Es gab zwar eine Feier, aber die war eher auf einen kleinen Kreis beschränkt. Anlässlich des Jubiläums wurde ein umfangreiches Buch mit dem Titel “200 Jahre Sternwarte in Bogenhausen” veröffentlicht, dessen Autor Reinhold Häfner selbst Mitarbeiter der Universitätssternwarte ist. Eine Zusammenfassung kann man auch auf der Homepage der USM finden.

Im Untergeschoss des Refraktorraums. Das Teleskop ruht auf einer steinernen Säule, die man im Keller sogar durchschreiten kann.
Im Untergeschoss des Refraktorraums. Das Teleskop ruht auf einer steinernen Säule, die man im Keller sogar durchschreiten kann.

 

Die historischen Instrumente sind nach wie vor funktionstüchtig. Sie wurden lange Zeit für die Studentenausbildung verwendet, die sich allerdings heute in das neue Observatorium der USM auf den Wendelstein in den bayrischen Alpen verlagert.

Ein gewisser Astroblogger beim Ausmessen von Sternpositionen (nicht wirklich) am Vertikalkreis.
Ein gewisser Astroblogger beim Ausmessen von Sternpositionen (nicht wirklich) mit dem Vertikalkreis.

Schwierig macht die astronomischen Beobachtungen heutzutage nicht nur die Lage im Lichtermeer Münchens, sondern auch der zunehmende Baumwuchs auf dem Gelände, der schon viel Himmel über den Sternwarten verdeckt.

Der Askania-Vertikalkreis diente zur präzisen Vermessung von Sternörtern. Er tat also in etwa das, was man heite mit dem Astrometriesatelliten Gaia tut. 1954/55 wurde er nach Australien verschifft, um Messungen auch auf der Südhalbkugel vorzunehmen. Seit Ende 1955 steht er wieder in München.
Der Askania-Vertikalkreis diente zur präzisen Vermessung von Sternörtern. Er tat also in etwa das, was man heute mit dem Astrometriesatelliten Gaia gemacht wird. 1954/55 wurde er nach Australien verschifft, um Messungen auch auf der Südhalbkugel vorzunehmen. Seit Ende 1955 steht er wieder in München.

Im Keller des neuen Hauptgebäude wird natürlich auch geforscht. Gerade zum Beispiel steht in einem der Labors ein neu entwickelter Frequenzkamm, mit dem einmal hochpräzise Spektren von Sternen möglich werden sollen – ebenfalls auf dem Wendelstein. Damit sollen zum Beispiel erdähnliche Planeten bei fernen Sternen gefunden werden, ein hochaktuelles Forschungsthema.

NIcht nur Historisches gibt es in der Universitätssternwarte zu sehen, sondern auch modene Technik: Hier ein Frequenzkamm, der in Kürze an den Spektrografen des neuen 2-Meter-Teleskops der Sternwarte auf das Wendelsteinobservatorium vergbracht werden soll.
Nicht nur historisches gibt es in der Universitätssternwarte zu sehen, sondern auch modene Technik: Hier ein Frequenzkamm, der in Kürze an den Spektrografen des neuen 2-Meter-Teleskops der Sternwarte auf das Wendelsteinobservatorium verbracht werden soll.

Wer sich für die Geschichte der Sternwarte in Bogenhausen interessiert, wird auf der Webseite der USM fündig.

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