Die Perseiden 2016 – warum sie anders sind als sonst, und wie man sie beobachtet

Sternschnuppen (oder Meteore) kann man in jeder klaren Nacht sehen, aber zu bestimmten Zeiten häufen sie sich. Der bekannteste Sternschnuppenstrom sind die Perseiden Mitte August. In diesem Jahr erwarten wir einen besonders intensiven Perseidenschauer. Warum das so ist und wann man die Perseiden 2016 am besten sehen kann, darum geht es hier.

Das diesjährige Maximum ereignet sich am 12. August. Wer hier zu lesen aufhört und am 12. August abends auf Sternschnuppenjagd geht, könnte enttäuscht werden. Die Sache ist etwas komplizierter (aber nicht viel).

Ein heller Perseid über dem Schloss Albrechtsberg an der Pielach in Österreich. Bild (mit freundlicher Genehmigung): Sebastian Voltmer
Ein heller Perseid über dem Schloss Albrechtsberg an der Pielach in Österreich. Dieses Bild brachte es 2012 zum APOD. Bild (mit freundlicher Genehmigung): Sebastian Voltmer

Die Verursacher der Perseiden sind staubkorngroße Überbleibsel des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Der umkreist alle 133 Jahre die Sonne und zieht dabei eine Staubspur (der Fachausdruck heißt „dust-trail“) hinter sich her. Die Erde kreuzt diese Spur stets um den 11. und 12. August – die in der Atmosphäre verglühenden Staubkörnchen sehen wir dann als Meteore. Perseiden heißen sie deshalb, weil ihre scheinbare Herkunft am Himmel im Sternbild Perseus liegt.

Der Staubtrail Swift-Tuttles ist (wie auch die dust-trails anderer Kometen) den Gravitationskräften anderer Planeten ausgesetzt, allen voran denen des Jupiter. Alle 12 Jahre etwa führt die Anziehungskraft dieses Planeten die Staubteilchen etwas näher an die Erde heran: Dann regnen besonders viele Perseiden vom Himmel. 1992 war das zum Beispiel so, wie auch 2004.

Auch in diesem Jahr dürfte es wieder einen besonders ergiebigen Perseidenregen geben. Statt wie in normalen Jahren weniger als 100 können es dieses Mal 150-160 Perseiden pro Stunde sein. Das wären fast drei Meteore pro Minute. Allerdings bezieht sich diese so genannte „Zenitstundenrate“ immer auf ideale Beobachtungsbedingungen: sehr dunkler Himmel, Radiant im Zenit. Üblicherweise sieht man weniger, doch auch 1-2 Meteore pro Minute wären bemerkenswert.

Lage des Perseidenradiants im Sternbild Perseus am 12. August. Erstellt mit Stellarium.
Lage des Perseidenradiants im Sternbild Perseus am 12. August. Erstellt mit Stellarium.

Am 12. August tritt also das diesjährige Maximum ein, allerdings gegen 15 Uhr Nachmittags. Eine ungünstige Zeit – dann ist es bei uns hell. Im Westen Nordamerikas dürfte die Show am besten zu sehen sein. Dennoch werden wir in den Nächten vor und nach diesem Zeitpunkt Perseiden sehen können, denn die Perseidenaktivität verteilt sich auf mehrere Tage.

Doch nicht nur die Staubteilchen, sondern auch der Komet selbst wird durch die Anziehungskräfte der Körper im Sonnensystem beeinflusst. Daher ändert er seine Bahn bei jedem Umlauf um die Sonne ein wenig, und hinterlässt so immer neue Staubtrails – es gibt also nicht nur einen, sondern mehrere. So ergeben sich auch „Nebenmaxima“ der Sternschnuppenaktivität neben den „traditionellen“ Maximum. Für dieses Jahr haben die Meteorexperten Mikhail Maslov, Esko Lyytinen sowie Jérémie Vaubaillon gleich drei dieser Nebenmaxima vor dem eigentlichen Höhepunkt des Perseidenschauers vorausberechnet.

So soll die Erde den beim Umlauf des Kometen im Jahr 1862 (dem Jahr seiner Entdeckung) am 12. August gegen 00:34 Uhr MESZ, der aus dem Jahr 1479 kurz später um 01:23 Uhr MESZ passieren. Ersterer dürfte aus kleinen Staubteilchen bestehen und daher nur lichtschwache Perseiden erzeugen. Etwa 10-20 Sternschuppen pro Stunde, zusätzlich zu den „klassischen“ Perseiden, könnte dieser Staubtrail beisteuern. Die des älteren Trails sollen auch größere Brocken enthalten, was auf helle Meteore hoffen lässt – interessant für Fotografen. Zusätzlich könnte ein dritter Staubschlauch aus dem 18. Jahrhundert ebenfalls auf die Zeit zwischen 02:00 und 06:00 Uhr am 12. August fallen.

Heißt: Auch wenn wir das Hauptmaximum tageslichtbedingt verpassen, können wir doch auf eine interessante Darbietung gespannt sein. Es werden zwar nicht unbedingt 160 pro Stunde, aber immer noch genug, um eine lange Wunschliste abarbeiten zu können.

Wichtig ist aber, dass man sich am Morgen des 12. August auf die Lauer legt. Zwar werden auch am Abend etliche Perseiden zu sehen sein, aber erstens steht der Radiant im Sternbild Perseus erst nach Mitternacht richtig hoch am Himmel – in der ersten Nachthälfte schirmt die Erde einen Großteil der Sternschuppen für unsere Breiten ab. Und zweitens stört der zunehmende Mond. Er steht zwar recht tief am Südhimmel und damit weit weg vom Perseus, sein Licht wird aber viele der schwächeren Meteore verschlucken.

Freitagmorgen, am 12. August zwischen Mitternacht und Morgendämmerung, ist also die beste Zeit, die Perseiden 2016 zu sehen. Aber auch in den Nächten davor und danach lohnt sich die Beobachtung.

Übrigens sind die angegebenen Zeiten recht genau, die zu erwarteten Fallraten und Helligkeiten der Sternschnuppen dagegen weit weniger. Eine Garantie, dass die genannten Nebenmaxima für eine merkliche Show sorgen, gibt es nicht. Dafür kann man als Amateurastronom mit wenig Aufwand Daten sammeln, mit denen solche Voraussagen zukünftig genauer sein können. Wie das geht, steht hier.

Die Perseiden waren jedenfalls schon lange nicht mehr so interessant wie 2016 – wer kann, sollte beobachten. Weitere Tipps dazu gibt es im ober verlinkten Video. Clear Skies!

Primärquelle aller Angaben ist wie immer der Shower Calendar (pdf) der International Meteor Organization (auch in deutscher Übersetzung verfügbar).

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