Ein „neuer“ Stern im Schwan 2022?

Stimmt die Voraussage von Larry Molnar vom Calvin College in den USA, dann könnte das Sternbild Schwan im Jahr 2022 (plus/minus ein Jahr) für einige Monate etwas anders aussehen als gewohnt. Seit mehr als zwei Jahren beobachten Molnar und seine Kollegen einen unscheinbaren Stern namens KIC 9832227. Momentan ist der mit einer scheinbaren Helligkeit von 12 mag nur mit Teleskopen zu sehen. In einigen Jahren aber könnte er zur „Roten Nova“ und dann 10000 Mal heller werden – hell genug, um ihn mit bloßem Auge auffällig zu sehen.

Rund 2mag hell und über Monate sichtbar – stimmt Professor Molnars Voraussage (hier ein Screenshot der Pressekonferenz vom 6. Januar), könnte zwischen 20121-2023 an der rot markierten Position im Sternbild Schwan ein heller Stern aufleuchten.

Denn KIC 9832227 ist eigentlich ein Doppelstern, und zwar ein besonderer: Die beiden Sterne des Systems, 1,14 und 0,26 Sonnenmassen schwer, berühren einander und spiralen aufeinander zu. Ihre Umlaufdauer (momentan 11 Stunden) wird seit Jahren immer kürzer. Damit gleicht KIC 9832227 dem Vorläufersystem der „Roten Nova“ Scorpii 2008 – hier sind zwei Sterne miteinander verschmolzen, ein Prozess, bei dem ein einzelner Stern entsteht, der für einige Zeit besonders hell und rot leuchtet (daher der Name Rote Nova). Dieses Szenario unterscheidet sich von „normalen“ Novae, bei denen Material von einem Begleitstern auf einen Weißen Zwerg fließt und eine Explosion auslöst.

Folgt KIC 9832227 dem Vorbild von 2008 wäre dies die erste genaue Vorhersage einer Nova-Explosion. Besonders spannend: Ob Molnar recht hat, kann man selbst und ohne Teleskop überprüfen. Rund 2mag soll der Stern hell werden – damit würde er dem „Kreuz des Nordens“ einen ganz neuen Look verschaffen. Bereits jetzt können auch Amateurastronomen das Doppelsternsystem photometrieren und damit Datenmaterial liefern, das die Vorhersage auf die Probe stellt. Für ein solches Unterfangen sind Amateurteleskope gut geeignet. Weil beide Sterne einander so eng umkreisen, kann man sie von der Erde aus nur als Einzelstern sehen. Die Umlaufdauer bestimmen Astronomen aus der Tatsache, dass sie sich aus Sicht der Erde periodisch gegenseitig bedecken und dabei die Helligkeit des Gesamtsystems regelmäßig schwankt.

In Kürze soll es eine Webseite für eine bald anlaufende Pro-Am-Kampagne geben, kündigte Molnar auf der gerade zu Ende gegangenen Tagung der American Astronomical Society in Texas an. Die Position des Sterns im Schwan ist jedenfalls ideal – sie ist von der Nordhalbkugel über weite Strecken des Jahres zu sehen. Eine spannende Sache, über die in diesem Blog sicher noch zu lesen sein wird!

Hier geht es zur aufgezeichneten Pressekonferenz (Molnars Vortrag beginnt ab 10m:40s). Es handelt sich um die Press Conference: Stars & Interstellar Space der 229. Tagung.

Die Forschungsarbeit in alles Ausführlichkeit (pdf).

Ein Bericht zum Thema von Daniel Fischer bei Abernteuer Astronomie.

 

One thought on “Ein „neuer“ Stern im Schwan 2022?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *