Ein Sonnenfleck mit Zugabe

In diesen Zeiten des tiefen solaren Minimums freut man sich über jedes Lebenszeichen auf der Sonne. Der gestern am Ostrand erschienene Sonnenfleck names AR 2738 ist immerhin groß genug, dass die ganze Erde darin Platz fände. Doch die eigentliche Vorstellung begann, kurz nachdem ich das folgende Foto gemacht hatte. Ich wollte eigentlich nur noch mal einen Blick auf die Sonne im H-alpha-Licht werfen.

Sonnenfleck AR2738 am 08.04.2019. Aufnahme mit einem 70/420 ED Refraktor und einer Canon EOS 600D. ISO 400, 1/4000s. Ausschnittsvergrößerung und Unscharfmaske.

Zwischen Fleck und Sonnenrand sah man im Weißlicht-Teleskop einige helle Fackelgebiete. Im H-alpha-Licht war am gegenüberliegenden Rand außerdem eine recht große Protuberanz zu sehen. Gut, dass ich mich nicht allzulange mit dieser zwar recht schön anzuschauenden, aber auch ziemlich statischen Protuberanz aufhielt und mich statt dessen mehr dem Ostrand um AR 2738 widmete.

Gegen 15:55 UT nämlich bemerkte ich im Fackelgebiet östlich des dunklen Sonnenflecks eine ziemlich helle Zone. Nun ist es manchmal leicht, im H-alpha-Licht feine Details zu übersehen, insbesondere, wenn die Luft unruhig ist. Dieser helle Fleck jedoch war so auffällig, dass ich ihn vorher sicher auch bemerkt hätte, wäre er da gewesen. Doch so schnell wie er auftauchte verschwand er wieder. Leider habe ich nicht auf die Uhr geschaut, doch nach ca. 10 Minuten dürfte er wieder verschwunden gewesen sein.

Leider habe ich keine eigenen Bilder, aber auf http://halpha.nso.edu/archive.html lässt sich die H-Alpha-Aktivität am Nachmittag des 08.04. nachverfolgen: Auf dieser Aufnahme eines Teleskops in Chile von 15:53 UT ist der helle Flare links oberhalb des (dunklen) Sonnenflecks zu sehen, den ich in meinem eigenen Teleskop wahrgenommen habe. Am rechten oberen Rand die größere, aber statische Protuberanz. Quelle: National Solar Observatory

Dafür tauchte nach einigen weiteren Minuten ganz in der Nähe am Ostrand eine feine, dünne Protuberanz auf. Sie schien wie eine einzelne Flamme in den Raum zu ragen. Auch sie hatte ich Minuten vorher nicht gesehen. Ich beobachtete sie intensiv bei 70facher Vergrößerung etwa fünf Minuten lang und mir schien es, als veränderte sich ihre Form und Helligkeit in dieser Zeit merklich! Man konnte tatsächlich die Dynamik einer Sonneneruption live im Fernrohr erleben!

Eine halbe Stunde später: Der Flare ist längst verblasst, aber die linienförmige Protuberanz ist noch sichtbar. Auch das kleine abgelöste Protuberanzchen links darunter konnte ich mit meinem H-alpha-Teleskop sehen. Quelle: National Solar Observatory

Die Protuberanz hielt sich vielleicht eine halbe bis dreiviertel Stunde – dann verschwand auch sie. Mit Hilfe der Webseiten NSO/Gong und Helioviewer konnte ich mich dann ganz schnell davon überzeugen, dass ich nicht halluziniert habe: Insbesondere die vom AIA-Instrument an Bord des Solar Dynamics Observatory zeigen ziemlich deutlich (aber in natürlich weit besserer Auflösung), was ich mit eigenen Augen gesehen habe.

Das folgende Video habe ich mit Helioviewer erstellt: Sowohl der helle Fleck (der anfängliche Flare) als auch die spätere Protuberanz sind klar zu erkennen.

Eine mit Helioviewer aus Bilddaten des Solar Dynamics Observatory (AIA, 304) erstellte Animation der Eruption am 08.04.2019

Was ist da nun passiert? Nicht ungewöhnliches eigentlich. In der Umgebung des Sonnenflecks gibt es starke Magnetfelder. Diese können das heiße geladene Plasma aus der Sonne herausheben und ins umgebende All schleudern. Dabei entstehen die Protuberanzen. das passiert auf der Sonne praktisch am laufenden Band.

Was ich gesehen habe, war der Moment, in der die in einem dieser Magnetfelder gespeicherte Energie schlagartig freigesetzt wurde. Das war der Moment des Flares, also des hellen Flecks. Wenn ich richtig gesehen habe, dann war die Energie nicht groß genug, um nennenswert Material von der Sonne wegzuschleudern. Die Protuberanz fiel nach Minuten in sich zusammen, das Sonnenplasma zurück in die Sonne.

Moral der Geschichte: Auch Aktivitätsminimum ist die Sonne interessant – vor allem im H-alpha! Es kommt aber auf das richtige Timing an. Planen lässt sich eine solche Beobachtung nicht.

One thought on “Ein Sonnenfleck mit Zugabe

  1. Karl-Heinz van Heek 2019-04-09 / 10:04

    Hallo Jan,
    einen schönen Bericht hast Du da wieder für uns eingestellt! Ich hatte auch Glück und konnte den “Fleck” 😉 auch sehen u. in HA ablichten, schau hier:

    https://astronomie-teilen.de/ha-sonne-vom-07-04-2019/

    leider war das Seeing bei mir wie so oft absolut schlecht…..
    CS
    Kalle

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