Einmal Mars mit Extras

Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres wurde ein „Astronomy Picture of the Day“ (APOD) nachträglich zurückgezogen. Einmal mehr gibt es erhebliche Zweifel, ob das Bild mit lauteren Mittel erstellt wurde. Zweimal schon war APOD auf „Fakes“ hereingefallen – Bilder, die entweder dreist gefälscht waren oder zumindest den ethischen Standards der Webseite nicht entsprachen. Eine solche Häufung ist ein Novum in der langen Geschichte des APOD.

Das neueste Bild des Anstoßes ist das APOD vom 9. August 2016, „Mars at Closest Approach“ (inzwischen durch eine unverfängliche Montage ersetzt). Es zeigte eine animierte Darstellung des Planeten Mars, die der Autor, der spanische Amateurastronom Jesus Santos Garzás, aus eigenen u. a. mit einem 30cm-Teleskop gewonnenen Aufnahmen erstellt haben will. Im Youtube-Kanal des APOD ist die Animation noch abrufbar:

Schon bald nach der Publikation kamen Zweifel auf: Die in der Animation gezeigten Details seien mit einem Teleskop dieser Größenordnung nicht darstellbar und womöglich nachträglich in die Aufnahmen hineinkopiert worden, schrieb der bekannte Astrofotograf Emil Kraaikamp im APOD-Forum „Starship Asterisk“.

In der Tat zeigen sich auffällige Ähnlichkeiten zwischen bestimmten Regionen des von Garzás animierten Mars zu Aufnahmen des Hubbleteleskops. Beiträge des Autors in einem spanischen Astronomieforum zeigen überdies, dass er bereits in der Vergangenheit mit fragwürdigen Bildern aufgefallen ist. Das von Garzás nach mehrfachen Aufforderungen zu Verfügung gestellte angebliche Rohmaterial erhärtete die Zweifel an seinem Werk eher noch. Für die Diskussionsteilnehmer im APOD-Forum, unter ihnen immerhin einige der besten Planetenfotografen, ist damit klar: Das Bild vom 9. August ist eine Fälschung. Gestern schließlich zog die Redaktion die Notbremse und ersetzte das Bild.

Robert Nemiroff, einer der beiden Gründer und Betreiber von APOD, schreibt dazu:

I requested that a noted astrophotographer who had not previously participated in this discussion act as a “referee”, of sorts, and evaluate the video and the accuracy of the resulting criticism and discussion in light of how the original video was described to APOD when submitted. This referee indicated that although it might well be possible to produce images of the quality featured in the video from Earth, that did not seem to be likely in this case. In sum, the referee believes that the video was not produced in the manner originally presented.

Ob solche Referees in Zukunft auch vorher zu Rate gezogen werden, sagt Nemiroff nicht. Es wäre eine gute Idee.

Zwar bestreitet Garzás die Vorwürfe, sein Bild wird wohl dennoch in die überraschend schnell wachsende Hall-of-Shame der zurückgezogenen APODs eingehen. Dort befindet es sich in Gesellschaft des zusammenkopierten „Saturn-ISS-Transit“-Bilds des deutschen Fotografen Julian Weßel und des „Gruppenbilds mit Andromedagalaxie“ des Kolumbianers Hugo Armando Rua Gutierrez. Das Transit-Bild war eine klare Fälschung, bei Gutierrez’ Werk handelte es sich um ein Komposit, also um eine Montage von zwei Bildern unterschiedlicher Belichtungsdauer. Das ist eine durchaus gängige Technik, um Objekte stark unterschiedlicher Helligkeit zusammen darstellen zu können. APOD akzeptiert solche Bilder generell auch, nur wurde in diesem Falle nicht auf die Manipulation hingewiesen.

APOD ist gewissermaßen zum Opfer seines eigenen Erfolgs geworden: Als ehrenamtliches Nebenprojekt gegründet und immer noch betrieben, hat es über die Jahren eine weltweite Fangemeinde gewonnen. Mit den Klicks stiegen auch die Einsendungen, und das, obwohl nur ein Teil der präsentierten Bilder Werke von Amateurfotografen sind. Im Kampf um Aufmerksamkeit und Internetruhm kommt ein „APOD“ für so manchen einem Ritterschlag gleich – und wenn die eigenen Bilder nicht spektakulär genug sind, hilft man halt nach.

Die meisten dieser Fakes bekommen wir nie zu Gesicht, zumindest nicht als APOD. Das spricht für das Auswahlverfahren. Drei aus weit über 7000 Bildern des Tages seit 1995 wurden zurückgezogen. Das ist wirklich wenig, allerdings: alle drei Fälle strammen aus 2016.

Wenn APOD seinen Ruf als seriöse Galerie der besten astronomischen Bilder nicht aufs Spiel setzen will, sollten solche Aussetzer nicht zur Gewohnheit werden.

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