Update: Endlich Licht im Sternlichtreservat

Der Roque de los Muchachos ist seit einigen Jahren “Starlight-Reservat”. Das muss man doch ausnutzen, dachte sich die Inselregierumg La Palmas, und baut seit kurzem recht lange schon ein Besucherzentrum, das bald irgendwann hoffentlich auch eröffnet wird. Immerhin hat das Zentrum schon, was dem Sternlichtreservat bislang schmerzlich fehlte: Licht.

Vier Straßenlampen schmücken nun den Parkplatz des Zentrums. Was für nächtliche Aktivitäten dort geplant sind, weiss ich nicht. Genauso wenig wann, ob, und von wem das Zentrum letztlich betrieben oder was dort ausgestellt wird. Konnte mir auch bislang niemand sagen.

Dafür dürfte sich eine Frage beantwortet haben: Für abendliche Sternführungen oder als Standort für Amateurastronomen ist der Parkplatz wohl eher nicht geeignet. Es sei denn die Lampen stehen nur zur Dekoration rum. Alles möglich auf La Palma.

Nachtrag, 03.11.: Die “Sky Quality Group” des Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC), zuständig für die Einhaltung der Lichtschutzbestimmungen auf der Insel, hat auf meine Nachfrage nicht geantwortet – wohl aber der lokalen Presse. Antwort: Die Straßenlampen erfüllen die Lichtverschmutungsnormative, und wurden deshalb genehmigt.

Hobbyastronomen (die den Parkplatz vielleicht auch gerne zum Sternegucken genutzt hätten), kritisieren die Lampen trotzdem – man könnte auch subtile Beleuchtung einsetzen. Mal schauen, ob darauf eingegangen wird, oder ob es am Ende heißt: So lange es die Profis nicht stört, ist es in Ordnung.

Mit der Begründung des IAC, die Lampen erfüllten die Normen, könnte man in Zukunft praktisch jeden dunklen Ort in um um das Sternenlichtreservat beleuchten. Die vielen astronomischen Aussichtspunkte zum Beispiel.

Update 05.11.: Endlich kam mir eine Antwort vom IAC zu Ohren (sie war nicht direkt an mich gerichtet und erreichte mich auf Umwegen). Die vier Lampen seien nur für Notfälle da und ansonsten aus. Die übliche Beleuchtung der Fußwege etc. soll über kleine, in Wände etc. eingebaute Pure-Amber-LEDs erfolgen.

Update 05.11. 12:45: Hier die Bestätigung des IAC, dass die Lampen nur in Notfällen eingeschaltet werden sollen und normalerweise aus sind:

6 thoughts on “Update: Endlich Licht im Sternlichtreservat

  1. Thomas Schiffer 2018-11-03 / 12:54

    Hallo Jan,
    ich kenne noch so einen schönen Parkplatz auf LP, an einem Hafen, der nicht in Betrieb geht.
    Wer weiß welche EU -Vorschrift hier greift für die Beleuchtung solcher. Sicherheit geht eben vor Verstand!
    -Siehe Sternen Reservat in der Eifel. Flutlichtbeleuchtung für kasernierte Flüchtlinge.
    Wir leben in einer verrückten Zeit mit wenig Verstand und Nachhaltigkeit.
    Bin gespannt wie es weiter geht und wer zukünftiger Betreiber der neuen Touristenhochburg wird.
    Besten Dank für die Berichterstattung vor Ort und anstatt CS ein DS, Thomas

    • janhattenbach 2018-11-03 / 18:40

      Hallo Thomas,

      wenn du das nächste Mal nach La Palma kommst, wirst du einige “Verbesserungen” feststellen: Alleine Garafía, Puntagorda und Tijarafe haben in den letzten Monaten mehrere 100 solarbetriebene Leuchten aufgestellt. An Orten, die bislang dunkel waren. Viele davon beleuchten nun abgelegene Häuser, was man durchaus verstehen kann, es gibt aber auch Beispiele wie dieses hier:

      https://eldia.es/2018-07-28/palma/palma3.htm

      Der völlig abgelegen und nachts nicht frequentierte Leuchtturm von Fuencaliente bekam auch seine Lampen ab. Nightscapefotos, wie das, das vor einiger Zeit einen Inselpreis gewonnen hat, kann man dort jedenfalls nicht mehr machen.

      Der Hintergrund des Ganzen: Die Insel hat Gelder aus einem kanarischen Entwicklungsfonds bekommen, und die müssen ausgegeben werden. Vielen Gemeinden fällt erst mal ein, das man mit Straßenlampen Fortschritt simulieren kann. Und die Solarleuchten brauchen nicht mal Netzanschluss, man kann sie überall hin setzen. Da ist das mit dem “Sternlichtkram” auch nicht mehr so wichtig, wie die Reaktionen auf den o.a. Artikel zeigten.

      “Starlight-Reservat” scheint eben zuförderst ein Marketingname.

  2. Oliver 2018-11-04 / 17:36

    Wir Amateurastronomen reisen unauffällig immer wieder nach La Palma, um den schönen Himmel zu genießen. Ich gehöre seit 2004 dazu und kenne auch viele andere. Dem ganzen Thema „Sternentourismus“ stehe ich skeptisch gegenüber, da ich nicht verstehe welche Amateurastronomen noch angelockt werden sollen. Vermutlich sind da andere Leute mit gemeint, die vermutlich einmal kommen und mit den Gepflogenheiten zusammen mit anderen Amateurastronomen nicht gewohnt sind, wie ich auf dem Roque mit Fotografen schon öfters erfahren habe. Die ernsthaften Amateure bleiben dann wohl möglich weg oder fahren dann direkt nach Namibia, wo ich schon einige getroffen habe.

    Habe einen eigenen Artikel zu dem Thema auf meiner HP veröffentlicht: http://estelar.de/#Aufruhr%20in%20Astronomieparadies%20La%20Palma

    Oliver

  3. janhattenbach 2018-11-04 / 17:58

    Hallo Oliver,
    dein Artikel trifft vieles auf den Punkt. Was das Thema Tourismus angeht, kann es den Verantwortlichen auf La Palma nicht genug sein. Es geht nach dem Motto, mehr ist besser, z. B. auch wenn es um die moderne Seuche der Kreuzfahrtschiffe geht. An anderen Tourismusorten ist man da schon weiter.

    “Astrotourismus” richtet sich nicht an Amateurastronomen. Es ist eine Form von gewöhnlichem Tourismus mit allen negativen Begleiterscheinungen. Darunter: Neue Infrastruktur in bis dato unberührten Gebieten, Zunahme von Verkehr, mehr Licht. Was eine Astrofarm wie z.B. ATHOS macht, verstehen die verantwortlichen Tourismusmanager meist nicht einmal.

    Dass das TMT nicht kommt, ist erst einmal nicht problematisch – dafür kommen andere Teleskopprojekte, das CTA zum Beispiel. Der Fall ober verdeutlicht aber einmal mehr: Das IAC und seine Sky Quality Group interessiert nur der reibungslose Betrieb ihrer Anlagen. Was sonst passiert, ist egal. Mit der Begründung, die Lampen seien regelkonform, kann zukünftig jeder dunkle Ort auf der Insel mit Segen des IAC beleuchtet werden. Das passiert bereits jetzt. Ich habe mal scherzhaft gesagt: Wenn die Profis eine adaptive Optik gegen Lichtverschmutzung emntwickeln, ist es auch auf Roque, Paranal etc. aus mit dem Lichtschutz.

    Aber, und auch da hast du recht: Mit jeder Lampe mehr steigt der Skyglow auf der Insel. Der Himmel wird auch auf La Palma heller. Trotz – und wegen – dem Astrotourismus.

    • Oliver 2018-11-04 / 19:17

      Hallo Jan,

      Wie gesagt: Seid 2004 fast zwei mal jährlich fahre ich nach La Palma. Ich lasse im Schnitt 1000 EUR pro Reise dort. Das muss doch jemand einkalkulieren. Und ich bin – wie gesagt – nicht der einzige. Was kann man denn überhaupt tun? Das IAC fällt auf jeden Fall aus. Mit denen hatte ich schon 2005 zu tun um auf dem Gelände nachts ein paar Nächte zu beobachten. Sehr zäh. Unfreundlicher Kontakt. Skandalöser Vertrag. Ja, Vertrag. Und Licht ohne Ende von vorbeifahrenden Autos. Beobachtungsplatz konnte ich natürlich nicht frei wählen. Es waren die berühmten Heliports. Daher draußen besser. Über die Jahre habe ich viele SQM-L Messreihen gemacht. 21.9 sind sehr selten erreicht worden. Sehr selten. In Namibia kein Problem.

      Die Frage ist, was man machen kann. Wer ist für unsere Argumente offen? Das IAC nicht, das ist klar. Aber das kann doch nicht alles sein. Oder doch?

  4. janhattenbach 2018-11-04 / 19:31

    Hallo Oliver,

    die Fundacíon Starlight: https://www.fundacionstarlight.org/en/index.php (habe ich auch schon, und nicht nur ich, Reaktion bisher: keine),

    La Palma Tourismus (da steckt die Inselregierung dahinter): http://www.visitlapalma.es/de/ (Könnte helfen, denen als regelmäßiger Besucher mitzuteilen, dass man es demnächst wie TMT light machen will und bessere Orte aufsuchen wird – man wird hier ja schön nervös, wenn die Fluggastzahlen zwischendurch mal zurückgehen),

    oder natürlich die Inselregierung direkt – die ist letztlich auch für das Besucherzentrum verantwortlich: http://www.cabildodelapalma.es/portal/principal.jsp?codResi=1

    Zu deinen Erfahrungen mit dem Himmel: Ja, einmal kam ich sogar auf 900m (Las Tricias) über 22,0, ansonsten lagen meine Werte, auch of dem Roque, zwischen 21,6 und 21,8. Finde ich schon gut genug, Erfahrungen in Namibia habe ich nicht, in Chile hatte ich kein SQM. Ansonsten sehe ich über meinem Haus auf 600m regelmäßig den kompletten Zodiakalbogen – mir reicht das 😉

    CS, oder besser DS,
    Jan

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