IAC: “Amateurastronomen werden immer willkommen sein”

Die Ankündigung, dass sämtliche nächtliche Aktivitäten auf dem und in der Nähe des Roque de los Muchachos oberhalb von 1500 Metern Meereshöhe zukünftig nur noch mit expliziter Genehmigung erlaubt sein werden, hat unter Amateurastronomen für Verunsicherung gesorgt: Darf man sich dem “besten Himmel Europas” auf La Palma künftig nicht mal mehr annähern? Nun hat das IAC, das die Sternwarte auf dem Roque betreibt, auf meine Nachfragen geantwortet.

Der Nachthimmel über La Palmas Höhen gehört zu den dunkelsten und klaresten der Welt. Wird er für Amateure bald unzugänglich?
Der Nachthimmel über La Palmas Höhen gehört zu den dunkelsten und klarsten der Welt. Wird er für Amateure bald unzugänglich?

Wissen wollte ich vor allem drei Dinge: Ist mit “nächtlicher Aktivität” explizit auch die Amateurastronomie und -fotografie gemeint? Wo und wie bekommt man eine Genehmigung, und welche Voraussetzungen braucht man dafür? Und: Welche Kontrollen und Sanktionen sind geplant?

Diese sehr konkreten Fragen wurden so nicht beantwortet. “Begrenzungen, Vorausbedingungen, Zeitpläne und Erlaubnisse sind Punkte, die noch von der Kommission des Besucherzentrums konkretisiert werden müssen,” heißt es. Das Ziel sei es, dafür zu sorgen, dass die Aktivitäten des (noch nicht eröffneten, aber bereits in Sichtweite des Observatoriums errichteten) Zentrums nicht die nächtliche Dunkelheit über den Sternwarten beeinträchtigen.

Aber: “Die Aktivitäten von Amateurastronomen und Astrofotografen werden immer willkommen sein, denn es handelt sich dabei um Gruppen, die die Astronomie lieben, die Bedeutung der natürlichen Bedingungen an diesem Ort kennen und aktiv beim Schutz der dunklen Nacht helfen.”

Mehr Regeln – für ein größeres Gebiet

“Astrofotografen oder Amateurastronomen werden wie bisher ihre Beobachtungen oberhalb von 1500 Metern durchführen können, solange sie sich an die geltenden Gesetze halten. Es wird einige Regeln in dem Gebiet des Observatoriums geben, die den heute bereits gültigen ähneln, aber ein größeres Gebiet umfassen werden.”

“Diese sind aus zwei Gründen notwendig: Einerseits wegen der Installation neuer wissenschaftlicher Infrastruktur, einige davon nahe an der Landstraße [z. B. die Teleskope des Cherenkov Telescope Array, Anm. d. Autors], und andererseits wegen des durch das Besucherzentrums zu erwartenden Anstiegs des Tourismus. Dieser dürfte einen exzessiven nächtlichen Verkehr in der Nähe des Observatoriums auslösen, der die wissenschaftliche Aktivität des Observatoriums (die bekanntermaßen durch das ‘Ley del Cielo’ von 1988 geschützt ist) beeinträchtigt.”

Es wird also Restriktionen geben, aber offenbar auch Möglichkeiten für Amateurastronomen und Astrofotografen, weiterhin die dunklen Nächte des Roque de los Muchachos zu nutzen. Wie diese im Einzelnen aussehen werden, ist noch nicht entschieden. “Die Astronomencommunity könnte sich zum Beispiel mit ihren Befürchtungen und möglichen Vorschlägen an das Cabildo wenden [die “Inselregierung” La Palmas, Anm. des Autors], die in der Kommission des Besucherzentrums vertreten ist,” rät man beim IAC.

Das wurde zumindest indirekt schon getan: Auf La Palma haben sich sowohl Amateurastronomen als auch Naturfotografen kritisch und besorgt zu den Plänen des IAC, des Cabildo und der Gemeinde Garafía geäußert. Die Fotografen bezweifeln zudem, dass keine der genannten Institutionen das Recht hat, den Zugang zu einem so großen öffentlichen Gebiet zu beschränken.

Dieser Einschätzung schließe ich mich grundsätzlich an. Wahr ist aber auch, dass Naturschutzgebiete beizeiten vor dem unkontrollierten Zustrom von Besuchern geschützt werden müssen. Da stellt sich die Frage, was einen verantwortlichen Amateurastronomen vom nächtlichen Problembesucher unterscheidet: Auf Grünlaser-schwingende, fernlichtfahrende, Stirnlampe-in-den-Himmel-leuchtende Milchstraßenselfietouristen kann man jedenfalls verzichten, nicht nur auf La Palma.

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