Jupiter mit neuem Anstrich

Jupiter, der größte Planet des Sonnensystems, steht am 10. Juni in Opposition zur Sonne. Momentan (Mitte Mai) ist er nach Mitternacht zu sehen, im Laufe des Sommers wird er zum arbeitnehmerfreundlichen Abendhimmelobjekt. Aufmerksame Teleskopbeobachter werden sicher schon bemerkt haben, dass Jupiter sein Aussehen im Vergleich zum letzten Jahr verändert hat. Wenn nicht – unbedingt mal genauer hinschauen!

Jupiter am 13. April 2019 (links): Die Äquatorzone ist orange gefärbt – ein EZ-Clearing-Event ist im Gange. Im Mai 2018 (rechts) strahlte die Zone noch im klassischen Weiß. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Damian Peach.

In neuem Anstrich präsentiert sich nämlich die sogenannte Äquatoriale Zone (Equatorial Zone, EZ), also der Bereich zwischen den beiden dunklen Äquatorialbändern. Normalerweise leuchtet die EZ in einem hellen Weiß, das durch eine hohe Wolkendecke aus gefrorenem Ammoniak zustande kommt. Im Vergleich dazu liegen die dunkleren Bänder in tieferen und damit wärmeren Schichten der Jupiteratmosphäre.

Alle sieben Jahre Wetterwechsel

Alle sechs oder sieben Jahre allerdings lösen sich die Ammoniakwolken über der EZ auf und geben den Blick auf tiefere und damit dunklere Wolkenschichten frei. Eine Studie (hier abrufbar als Open Access) identifizierte im vergangenen Jahr fünf solcher “EZ clearings”, und zwar 1973, 1979, 1992, 1999 und 2003*. Das Aufklaren hielt jeweils 12 bis 18 Monate an. Auch 1985 und 2013 lockerte sich die Ammoniakbewölkung auf, allerdings nur teilweise. Die Forscher sagten dementsprechend das nächste Clearing für 2019 voraus.

Das ist auch eingetreten: Schon seit Ende 2018 berichten engagierte Jupiterbeobachter von einer Verdunklung der äquatorialen Zone. Bilder aus den letzten Wochen (s.o.) zeigen eine deutliche orange-braune Farbe im Bereich zwischen dem nördlichen und südlichen Äquatorialband. Der Vergleich mit Bildern aus dem Vorjahr macht die Veränderung besonders deutlich.

Jupiterzeichnung vom 13. Mai 2019, 04:20 UTC. Instrumente: Newton 250mm f/4,8, 170x, Blaufilter Wratten #38A. Norden ist oben, Westen rechts.

Die gegenwärtige Verfärbung der EZ ist auch für visuelle Beobachter auffällig. Man achte dazu auf den Helligkeitskontrast zwischen der EZ und den nördlich bzw. südlich der dunklen Äquatorialbänder liegenden hellen tropischen Zonen: Die EZ ist in diesem Jahr eindeutig dunkler als diese Zonen (s.u. für eine beschriftete Zeichnung). Hat man gutes Seeing und ein Teleskop von mindestens 20cm Öffnung zur Verfügung, dann sollte man auch die orange-braune Farbe erkennen können.

Filter bringen Farbe ins Spiel

Geradezu auffällig wird die Verfärbung im Teleskop durch Verwendung eines blauen Farbfilters. Dieser blockiert den größten Teil des roten und orangefarbenen Lichts und sorgt so dafür, dass die dunklen Gebiete auf Jupiter, deren Licht starke Rotanteile enthält, abgedunkelt werden. Damit steigt der Kontrast zu den hellen Zonen deutlich an. Der Planet bekommt natürlich einen Blaustich (s.o.).

So konnte ich am 13. Mai gegen 04:20 UTC die Verfärbung der EZ in meinem 25cm-Newton mit Hilfe des Blaufilters (Wratten #38A) ohne Anstrengung wahrnehmen. Mit dem Filter schienen die Äquatorialbänder und die äquatoriale Zone zu einem einzigen, breiten, dunklen Band zu verschmelzen. Auch der Große Rote Fleck (GRF), der gerade noch am Ostrand des Planeten zu sehen war, sprang dank des Blaufilters ins Auge. Leider war das Seeing nicht besonders gut, so dass ich nicht mehr als 170fach vergrößern konnte und meine Zeichnung keine feinen Details enthält.

Die im Text genannten Bänder und Zonen. Norden ist oben, Westen rechts.

Mit einem als Gegenprobe verwendeten Orangefilter (Wratten #21) war der Kontrast zwischen EZ und den tropischen Zonen nur noch schwach zu erkennen. Den (GRF) konnte ich nur noch mit Mühe ausmachen. Die Farbe der EZ lag also eindeutig im orange-roten Bereich.

In den kommenden Wochen und Monaten werden ich dieses Experiment immer mal wieder durchführen, denn das gegenwärtige EZ-clearing soll wahrscheinlich noch bis 2020 anhalten. Was für das periodische Auflösen der Ammoniakwolken sorgt, ist übrigens bislang nicht geklärt, genauso wenig wie die Frage, warum diese Wetteroszillation seit Jahrzehnten so stabil ist.

*In dem genannten Paper ist von einem Aufhellen der EZ die Rede, denn die Astronomen beobachteten im Infrarot: Die EZ erscheint im IR heller, wenn die abschirmenden Ammoniakeiswolken fehlen. Im visuellen Licht wirkt sie aber, wie im Text beschrieben, ohne die Ammoniakwolkendecke dunkler.

One thought on “Jupiter mit neuem Anstrich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.