Kollisionsalarm! (3 UPDATES)

Am 30. Januar, genau um 00:39:35 MEZ, werden sich zwei ausgediente Satelliten in einem Abstand von gerade einmal 15 bis 30 Metern begegnen. Das berichtet LeoLabs, eine private Weltraumschrottüberwachungsfirma (so etwas gibt es offenbar). Die Chance auf eine Kollision ist nicht gerade klein – sie liegt laut LeoLabs 1:100. Bedenkt man, dass einer der beiden ein 954 kg schweres Weltraumteleskop und der andere ein mit 85 kg zwar kleinerer, aber über 18 Meter lange Ausleger verfügender Satellit ist, ist Besorgnis angebracht. Eine Kollision könnte eine Trümmerwolke in in 900 km Höhe erzeugen, die sich ausbreiten und zukünftige Satelliten und Raumfahrtmissionen gefährden könnte (Updates unten!).

IRAS und GGSE-4 am 29.01.2020, Bild: Marco Langbroeck
IRAS und GGSE-4 am 29.01.2020, Bild: Marco Langbroeck

Die beiden Satelliten sind IRAS, ein zwischen 1983 und 1985 aktives Weltraum-Infrarotteleskop, und GGSE-4, ein 1967 gestarteter amerikanischer Forschungssatellit. Beide sind komplett inaktiv, so dass eine Kommunikation mit ihnen und eventuelle Ausweichmanöver ausgeschlossen sind. Die dichteste Begegnung der beiden wird ziemlich genau über Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania stattfinden.

Die relative Geschwindigkeit der beiden Himmelskörper wird mit 14,7 Kilometern pro Sekunde(!) angegeben. Im Falle einer Kollision dürfte es vor allem den kleineren GGSE-4 völlig zerlegen, während IRAS wahrscheinlich größtenteils intakt bleiben könnte, heißt es.

IRAS (links) und ein Satellite mit ähnlichem Design wie GGSE-4 (Bilder: Wikipedia, gemeinfrei)
IRAS (künstlerische Darstellung, links) und ein Satellit mit ähnlichem Design wie GGSE-4 (Bilder: Wikipedia, gemeinfrei)

Aber vielleicht haben wir ja auch Glück. Morgen sollen erst einmal die nächsten 60 Starlinks gen Orbit geschickt werden, die nächsten Monat dann Gesellschaft von OneWeb, dem nächsten Orbitalinternetversorger, bekommen werden. Es wird also so oder so voll dort oben. An Kollisionsalarme wie diesen können wir uns also schon einmal gewöhnen.

UPDATE, 29.01. 10:00 UT: Die letzte Vorhersage von gestern Abend geht von einer etwas kleineren Kollisionswahrscheinlichkeit aus: 1:1000. Minimaler Abstand zwischen 13 und 87 Metern:

UPDATE, 29.01., 16:45 UT: LeoLabs hat abermals seine Berechnungen aktualisiert. Die Kollisionswahrscheinlichkeit liegt wieder höher, und zwar bei 1:100, wie gestern bereits. Berücksichtige man außerdem den 18-Meter-Ausleger von GGSE-4 (dessen Ausrichtung unbekannt ist), komme man sogar auf eine Wahrscheinlichkeit von 1:20. Die wahrscheinliche “Miss-Distanz” liegt momentan bei nur noch 12 Meter.

Heißt: Es ist immer noch wahrscheinlich, dass sich die beiden Satelliten nicht treffen, aber eine Kollision ist möglich. Ein so dichter Vorbeiflug ist wirklich außergewöhnlich und zeigt, wie problematisch Raumfahrt in Zeiten von Satellitenmassenproduktion wird. Radarbeobachtungen werden heute Nacht zeigen, ob es zum Zusammenstoß gekommen ist, oder nicht.

UPDATE, 30.01., 09:20 UT: Offenbar gab es keine Kollision, Radarbeobachtungen zeigen keine Spuren einer Trümmerwolke:

Auch mehrere visuelle Beobachter melden nichts ungewöhnliches. Dieses Bild soll die Spuren der Satelliten zum Zeitpunkt der Annäherung zeigen, allerdings kann ich keine Quelle dazu finden:

Scheint, als hätten wir Glück gehabt. Bis zum nächsten Kollisionsalarm!

2 thoughts on “Kollisionsalarm! (3 UPDATES)

  1. Andreas Schnabel 2020-01-29 / 20:44

    Vor einigen Stunden lag die Kollisionswahrscheinlichkeit sogar bei 5%. Laut aktuellen Berechnungen wird die dichteste Annäherung beider Satelliten wahrscheinlich 47 Meter betragen.

    “Final update prior to close approach: 47 meter predicted miss distance, w/ increased separation in the cross-track direction. Next scheduled radar passes for both objects to occur approximately two hours after the event.”

    https://twitter.com/LeoLabs_Space/status/1222650724347252736?s=20

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