Linktipp #4: Ein ganz besonderer Sonnenfleck

Der heutige Linktipp ist eine Zeichnung. Das Zeichnen astronomischer Objekte ist in Zeiten digitaler Fotografie zu Unrecht aus der Mode geraten, ist es doch eine einfache und zugleich enorm lehrreiche Methode, das im Teleskop gesehene festzuhalten. Sei’s drum: Das hier gezeigte Werk zeigt einen der größten Sonnenflecken des vergangenen Jahrhunderts – einer, der auch auf der Erde spürbare Auswirkungen hatte.

Zeichung der aktiven Region AR 5395 am 12. März 1989. Bild Hermann-Josef Robertz / Sternwarte Aachen
Zeichung der aktiven Region AR 5395 am 12. März 1989. Bild Hermann-Josef Robertz / Sternwarte Aachen

Den Karton mit der Zeichnung der aktiven Region AR 5295 fand ich vor Jahren im Fundus der Aachener Sternwarte. Sie stammt vom Kollegen Hermann-Josef Robertz, der sie am 12.03.1989 angertigte. Zwei Stunden brauchte er dazu, denn die Struktur der Sonnenfleckengruppe war sehr kompliziert: Dunkle Umbra-Bereiche liegen verstreut in einer großen Penumbra mit unterschiedlichem Aussehen.

Die Zeichnung befindet sich mittlerweile digitalisiert in der Onlinegalerie der Sternwarte Aachen. Sie darf mit Recht als ein Stück Zeitgeschichte gesehen werden. Denn AR 5295 sorgte im März 1989 für Furore: Nicht weniger als 106 Röntgenflares schossen aus der Region ins All, darunter 11 von der stärkten Kategorie der X-Klasse. Einige sorgten für Störungen des Funkverkehrs auf der Erde und Ausfälle von Satellitenelektronik.

Am drastischsten waren allerdings die Auswirkung eines koronalen Massenauswurfs am 9. März, bei dem Millionen Tonnen energiereicher Teilchen in Richtung Erde geschleudert wurden. Am 13. März erzeugten sie einen geomagnetischen Sturm, der Polarlichter bis nach Texas und Florida auslöste. Auch in Deutschland gab es Berichte über Polarlichter. Über Stunden flatterte das Erdmagnetfeld wie ein Fähnchen im Sturm.

Das gestörte Erdmagnetfeld induzierte in der kanadischen Provinz Quebec ungewöhnlich hohe Stromflüsse in Überlandleitungen, was wiederum Leistungsschutzschalter auslöste: ein neunstündiger Stromausfall war die Folge. Millionen Menschen saßen dank der Sonne im Dunklen – der Sonnensturm vom März 1989 dient seitdem als oft bemühtes Beispiel für die potentielle Gefährlichkeit von geomagnetischen Stürmen.

Davon wusste der Zeichner in der Aachener Sternwarte noch nichts. Als er sein Werk fertigstellte, war die Wolke energiereicher Teilchen noch auf ihrem Weg zur Erde.

Einen vergleichbaren Sonnenfleck gab es zuletzt im Oktober 2014. Die Erde ätte zu seinen Besten Zeiten rund 66 Mal in AR 2192 Platz gefunden. Eigenes Foto vom 23.10.2014
Einen vergleichbaren Sonnenfleck – uhne entsprechende Auswirkungen auf die Erde – gab es zuletzt im Oktober 2014. Die Erde ätte zu seinen besten Zeiten rund 66 Mal in AR 2192 Platz gefunden. AR 2192 war der größte Sonnenfleck seit November 1990, aber immer noch kleiner als AR 5295. Als größter bekannter Sonnenfleck gilt nach wie vor Greenwich 1488603 vom März/April 1947. Eigenes Foto vom 23.10.2014

Linktipps zum Linktipp:

(Fast) tägliche Zeichnungen von Sonnenflecken (Nicht nur von AR 5295) gibt es auf der Webseite des Observatoriums Kanzelhöhe der Universität Graz. Der Sonnenfleck war ganze drei Sonnenrotationen (je 25 Tage) sichtbar.

A. Joshi: Superactive Region AR:5395 of SOLAR-CYCLE-22 – wissenschaftliche Arbeit zur Fleckengruppe AR 5295.

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