Mal was anderes: Sonnenfinsternisse auf Europa und Io

Alle sechs Jahre ergibt sich auf Jupiter die Tagundnachtgleiche – die letzte war gerade erst am 2. Mai. Das bedeutet, dass die Sonne (und auch die Erde) derzeit recht genau über dem Planetenäquator steht und es zu gegenseitigen Verfinsterungen und Bedeckungen der Jupitermonde kommt. Sonnenfinsternisse auf den Io und Co also.  Zweimal hatte ich in den letzten Tagen Glück – hier ein kurzer Zwischenbericht!

Io (markiert) wurde am 13. 5. von Europa (links davon) verfinstert. Ganz links ist Ganymed zu sehen, der helle Jupiter, rechts außen Callisto. Screenshot aus AstroimageJ.
Io (mit den blauen Kreisen markiert) wurde am 13. 5. von Europa (links davon) verfinstert. Ganz links ist Ganymed zu sehen, der helle Jupiter, rechts außen Callisto. Screenshot aus AstroimageJ.

Gegenseitige Jupitermonde sind eine Gelegenheit für Amateure, wertvolle Daten zu sammeln. Mehr dazu steht auf den Seiten des IMCCE. In der Maiausgabe von Sterne und Weltraum habe ich außerdem zusammengefasst, was man über gegenseitige Jupitermondereignisse wissen muss und genauer beschrieben, welche Ereignisse sich in diesem Jahr von Mitteleuropa aus beobachten lassen.

Hier nur ein paar Worte zu den letzten Beobachtungen. Am Morgen des 13. Mai verfinsterte Io mit seinem Schatten den Mond Europa, am Morgen darauf trat dann Io in den Schatten von Ganymed ein. Die Ereignisse waren mit 5,5 bzw. 8,8 Minuten relativ kurz.

Beide Verfinsterungen habe ich mit einem 70mm-Refraktor bei 840mm Brennweite und einer ASI120M-Videokamera aufgenommen. Hier ein Bild von meinem Equipment bei der Arbeit:

Bei der Europa-Verfinsterung dämmerte es schon auf La Palma.
Bei der Europa-Verfinsterung dämmerte es schon auf La Palma.

Bei im Schnitt fünf Bildern pro Sekunde und Aufnahmezeiten von 10 bis 15 Minuten (um auch genügend Zeit vor und nach der Verfinsterung abzudecken) kamen jeweils mehrere tausend Bilder zusammen, die photometriert werden sollten. Ich wollte nämlich die Verfinsterungen mit Helligkeitskurven darstellen.

Die Helligkeit der Monde auf tausenden Bildern von Hand zu messen und dann in eine Tabelle einzuhacken war mir allerdings zu viel stumpfsinnige Arbeit. Glücklicherweise gibt es frei verfügbare “Research-Grade”-Software wie AstroimageJ, die das vollautomatisch macht. Dazu müssen die Bilder als Fits-Sequenz aufgezeichnet und in die Software eingelesen werden. Nachdem man den zu messenden Zielmond und mindestens ein Referenzobjekt (in diesem Falle: einen anderen Jupitermond) markiert hat, photometriert AstroimageJ vollautomatisch drauf los und erzeugt eine lange Liste mit Helligkeitsdaten. Diese kann man sich dann grafisch darstellen lassen:

Helligkeitskurve der Verfinsterung von Europa durch Io am 13. Mai 2021. Die Zeit ist als Julianisches Datum dargestellt, Beginn der Verfinsterung war 05:41:01 UTC.
Helligkeitskurve der Verfinsterung von Europa durch Io am 13. Mai 2021. Die Zeit ist als Julianisches Datum dargestellt, Beginn der Verfinsterung war 05:41:01 UTC.

Man erkennt sehr deutlich die Verdunklung des Mondes. Die Helligkeit von Europa ging von 5,5 mag auf etwa 7,3 mag zurück. Dank des guten Seeings an diesem Morgen konnte ich den Mond dabei visuell tatsächlich bei 480facher Vergrößerung als kleines Sichelchen sehen.

Am Morgen des 14. erschwerte starker Wind, grottenschlechtes Seeing und der tiefere Horizontstand die Messungen, was man auch an der stärkeren Streuung der Messwerte sieht. Dennoch ist auch hier der Verlauf der Verfinsterung prima zu sehen, der Helligkeitsverlust liegt bei ca 2,6 mag:

Helligkeitskurve der Verfinsterung von Io durch Ganymed am 14. Mai 2021. Die Zeit ist als Julianisches Datum dargestellt, Beginn der Verfinsterung war 03:43:53 UTC.
Helligkeitskurve der Verfinsterung von Io durch Ganymed am 14. Mai 2021. Die Zeit ist als Julianisches Datum dargestellt, Beginn der Verfinsterung war 03:43:53 UTC.

Die Zeiten sind jeweils als Julianisches Datum angegeben, um die Auswertung zu erleichtern. Zu dieser bin ich noch nicht gekommen. Dieser Zwischenbericht soll dennoch schon jetzt in die Welt, denn vielleicht motiviert er ja andere den ein- oder die andere, sich auch mal an die Beobachtung gegenseitiger Jupitermondereignisse zu wagen.  Die nächste Chance für Beobachter in Deutschland und Umgebung ergibt sich am 29. Mai: Ab 04:27 Uhr MESZ wird wiederum Ganymed den Io verfinstern. Am 7. Juni ab 03:36 MESZ ist dann wieder Europa an der Reihe. Wieder ist es Io, der seinen Schatten wirft.

Man braucht nur ein kleines Teleskop. Auch wenn man keine Helligkeitskurve aufzeichnen will, lohnt sich die Beobachtung, denn die Verfinsterung ist auch visuell wirklich sehr auffällig. Das Ereignis am 29. Mai wird mit knapp 50 Minuten übrigens sehr viel länger dauern!

Mehr Details im erwähnten SuW-Artikel und auf der Webseite des IMCCE. Die Jupitermondverfinsterungen (eine gegenseitige Bedeckung ist Anfang August auch dabei) lassen sich übrigens auch mit Stellarium darstellen.

Dafür: Clear Skies!

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