Mond bedeckt Mars

Am frühen Morgen des 6. September 2020 bedeckte der Mond den Planeten Mars. Anders als die Venusbedeckung Anfang Juni war dieses Ereignis in Deutschland nicht sichtbar, nur im Süden Europas konnte man die Bedeckung, allerdings am Taghimmel, verfolgen. Von Südamerika bis zu den Kanarischen Inseln fand es aber bei dunklem Himmel und hohem Mondstand statt – und für mich dazu bei bestem Seeing. Meine visuellen und fotografischen Ergebnisse möchte ich in diesem kurzen Bericht vorstellen.

Mars (links oben) neben dem Mond
Mars (links oben) neben dem Mond

Planetenbedeckunegn ereignen sich immer wieder, da Mond und Planeten sich entlang der Ekliptik über de Himmel bewegen. Dennoch vergehen oft Jahre zwischen zwei günstig zu beobachtenden Ereignissen. Weil der Mond relativ nah ist, sehen wir ihn von unterschiedlichen Orten auf der Erde aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Mars hingegen ist so weit weg, dass man ihn praktisch von überall auf der Erde an der gleichen Stelle am Himmel sieht. In Kombination muss man sich also in einem bestimmten Bereich aufhalten, um eine Planetenbedeckung zu sehen, im Falle der Bedeckung am 6.9. zwischen den hier eingezeichneten Linien:

Die Marsbedeckung war von Südamerika bis Nordafrika und Südeuropa zu sehen, für letztere beide fand sie allerdings am Taghimmel statt. Grafik: Occult 4.
Die Marsbedeckung war von Südamerika bis Nordafrika und Südeuropa zu sehen, für letztere beide fand sie allerdings am Taghimmel statt. Grafik: Occult 4.

Für La Palma war der Beginn der Bedeckung gegen 05:07 UT angekündigt, der Austritt des Planeten hinter der Mondscheibe gegen 06:17 UT. Schon gut zwei Stunden vorher begann ich mit dem Aufbau meines Equipments: ein 250mm f/4,8 Newton zur visuellen Beobachtung (plus Smartphonefotos am Okular) und ein 70mm f/6 Refraktor zur Aufzeichnung eines Videos. Bei dem hellen Mondschein brauchte ich nicht viel Licht, entsprechend schnell waren die Instrumente aufgebaut und einsatzbereit.

Warten auf die Bedeckung...
Warten auf die Bedeckung…

Schon beim ersten Blick durch den Newton stellte ich fest, dass das Seeing gut bis ausgezeichnet war: Mars, der sich Anfang September als 19,7 Bogensekunden großes Scheibchen zeigte, ließ sich problemlos bei Vergrößerungen von 400 bis 500fach betrachten. Die dunklen Mare Cimmerium und Tyrrhenum waren deutlich auf der Marsoberfläche zu sehen, sowie eine stark geschrumpfte südliche Polkappe. Die Zeit bis zur Bedeckung konnte ich auch nutzen, um ein paar Freihandfotos mit der Smartphonekamera am Dobson zu üben.

Im Teleskop und auf Video

Die Bedeckung fand bei abnehmendem Mond (Beleuchtungsphase 86 Prozent) statt. Der Eintritt sollte also am beleuchteten, der Austritt am schmalen, unbeleuchteten Mondrand erfolgen. Bis etwa fünf Minuten vor dem Eintritt war der -1,9mag helle Mars mit dem bloßen Auge neben dem Mond zu erkennen, danach verschmolz der Planet mit dem hellen Mondrand.

Im Teleskop konnte man dagegen verfolgen, wie die Marsscheibe innerhalb von etwa zwei Minuten vom Mondrand “überrollt” wurde. Besser kann man die Bewegung des Mondes am Himmel, die entgegen der scheinbaren Himmelsrotation verläuft, nicht wahrnehmen!

Aufnahme durch den Newton mit einem Smartphone und Okularprojektion. Das Bild gibt den visuellen Anblick gut wieder.  Man beachte die Farbe des Mars sowie die dunklen Flecken.
Aufnahme durch den Newton mit einem Smartphone und Okularprojektion. Das Bild gibt den visuellen Anblick gut wieder. Man beachte die Farbe des Mars sowie die dunklen Flecken.
Auf halbem Wege wischen 1. und 2. Kontakt - Mars ist halb hinter dem Mond verschwunden.
Auf halbem Weg zwischen 1. und 2. Kontakt – Mars ist halb hinter dem Mond verschwunden.

Der Austritt am dunklem Mondrand war auch mit bloßem Auge zu sehen: Wenn ein heller Planet am Mondrand erscheint, ergibt das eines der beeindruckendsten Beobachtungsphänomene. Wegen der Ausdehnung des Planeten erscheint sein Licht graduell – als ob sich eine gewaltiger Explosionswolke am Mondrand erhebt!

Kurz nach dem Austritt am dunklen Mondrand
Kurz nach dem Austritt am dunklen Mondrand

Der 70er Refraktor war derzeit mit einer 2fach-Barlowlinse und einer Monochrom-Videokamera ASI 120MM aufgerüstet. und führte die ganze Zeit auf den Mars nach. Leider habe ich zu spät bedacht, dass ich die parallaktische Montierung zwischen Ein- und Austritt umschlagen musste, deshalb sind die Videosequenzen von Ein- und Austritt in unterschiedlicher Bildorientierung entstanden. Das Video zeigt in Echtzeit die Momente des Verschwindens und Wiedererscheinens des Planeten.

Man erkennt vielleicht, dass Mars beim Austritt etwas heller erscheint als beim Eintritt. Ich habe den Austritt leicht überbelichtet, da ich ein Experiment versuchen wollte: Der Marsmond Phobos sollte etwa 40 Sekunden vor Mars hinter dem Mond erscheinen. Mit 10,9mag war er aber wohl zu schwach: Ich konnte ihn weder visuell noch auf den Videobildern ausmachen. Beim Austritt, gegen 06:17 UT, war der Himmel auch schon dämmerungshell. Ein Versuch war es wert!

Nach zwei Venus-, zwei Saturn- und einer Jupiterbedeckung war dies meine erste Marsbedeckung. Die nächste Marsbedeckung, die man auch vom deutschsprachigen Raum aus sehen kann, ereignet sich übrigens am frühen Morgen des 8. Dezember 2022, bei einem ähnlich groß erscheinenden Mars – aber genau bei Vollmond.

Dafür schon mal: Clear Skies!

2 thoughts on “Mond bedeckt Mars

  1. Jozef 2020-09-16 / 9:51

    Hallo Jan.
    Einfach Super Dein Bericht und Film und Bilder der Mars Bedeckung durch den Mond.
    CS Jozef

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