Neues von Starlink und dunkle Wolken über dem TMT Hawaii

Dies ist ein ungewöhnlicher Blogpost zu zwei Themen, die nichts direkt miteinander zutun haben, über die hier aber immer mal wieder berichtet wurde und zu denen sich gestern interessante Neuigkeiten ergeben haben. Die ersten betreffen Starlink, das von Astronomen mit Sorge gesehene Megasatellitennetzwerk von SpaceX, das zweite das auf Hawaii in schwere Probleme geratene Riesenteleskop TMT.

Astronomen formieren sich zu Starlink

Die Galaxiengruppe NGC 5353 am Abend des 25. Mai, kurz nach dem Start der ersten 60 Starlight-Satelliten. Zufällig aufgenommen von Victoria Girgis (Lowell Observatorium, USA). 

Gegen Starlink scheint sich organisierter Widerstand der professionellen Astronomencommunity formiert zu haben. Das kann man aus einer Pressemeldung der ESO von gestern herauslesen. Dabei geht es nicht darum, das Projekt zu verhindern, das wäre wohl auch rechtlich kaum möglich. Doch die Auswirkungen der Satelliten auf die bodengebundene optische und Radioastronomie werden eingehend untersucht, und gemeinsam mit SpaceX wollen die Astronomen versuchen, u.a. die Reflektivität der Satelliten zu verringern.

Vor einigen Tagen erklärte das Unternehmen in Gestalt von Tim Hughes auf einer Konferenz, dass man beim kommenden Start Ende Dezember dazu “experimentieren” werde, indem man “wenigstens einen der Satelliten am Boden schwärzen” werde. Man arbeite eng mit der Astronomiecommunity zusammen, meine Hughes:

Daniel Fischer hat in seinem Blog weitere Links zum Thema zusammengetragen. Interessant sind insbesondere diese beiden, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzepts in Frage stellen. Ob Elon Musk jemals seine 12000+ Satelliten ins All bringt, ist längst nicht ausgemacht.

Die Zukunft des TMT auf Hawaii sieht düster aus

Wird das TMT überhaupt je gebaut? Wenn ja, wo? Bild: TMT Observatory Corporation

Seit Juli bewegte sich auf Hawaiis größter Insel Big Island in Sachen Baubeginn für das Thirty Meter Telescope (TMT) nichts: Gegner des Megaprojekts blockierten die Zufahrtsstraße, Polizei war präsent, griff aber nicht ein. Zwar hatte das Konsortium des TMT die notwendigen Genehmigungen zum Bau, und das gerichtsfest, aber ohne unschöne Räumungsszenen konnten die Arbeiten auf dem Mauna Kea nicht beginnen. Nun erklärte das Konsortium, dass man auch nicht beabsichtige, mit den Arbeiten alsbald zu beginnen, wie es in einer Presseerklärung von David Ige, dem Gouverneur des US-Bundesstaats Hawaii, heißt:

Ige erklärte daraufhin, dass damit die Anwesenheit der Polizeikräfte an der Zufahrtsstraße nun abgezogen würden, womit Presseberichten zufolge auch schon begonnen wurde. Immerhin 15 Millionen Dollar habe die Polizeiaktion seit Sommer bereits gekostet.

Damit ist eines glasklar: Der Bau des TMT startet auch im Jahr 2019 nicht. Ob das Teleskop je auf Hawaii Realität wird, darf man aufgrund dieser Entwicklungen schwer bezweifeln. Die Chancen für den “Plan B”, die Kanareninsel La Palma, dürften wieder deutlich gestiegen sein.

One thought on “Neues von Starlink und dunkle Wolken über dem TMT Hawaii

  1. Thomas Schiffer 2019-12-22 / 8:12

    Hallo Jan,
    es ist immer herzerfrischend zu lesen, dass einzelne Menschen und eine kleine Gruppe von antiquierten Astronomen auf eine globale Thematik aufmerksam machen.
    Und wenn wir es nicht verstehen, wird uns der US-Botschafter „Grenell“ erklären, warum es eine „proglobale“ Entscheidung ist, den Orbit mit Satelliten zuzupflastern. Amerika bestimmt letztendlich was „gut“ und was „schlecht“ ist.
    Damit wird auch zeitgleich die Tür für andere Nationen geöffnet (die Provider sind ja bekannt).

    Es bleibt bei einem Zitat von Einstein: “Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher…”

    Vielen Dank Jan für deine unermüdliche Berichterstattung auch in diesem Jahr.
    Beste Grüße, Thomas

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