Potentiell gefährlicher Asteroid „2014 JO25“ am Mittwoch sichtbar

Sollte man sich Sorgen machen? Vielleicht, aber nicht wegen 2014 JO25. Der 650 Meter große Asteroid verpasst unsere Erde am 19. April nämlich um Längen: um 0,01175 Astronomische Einheiten genau. Das sind 1,76 Millionen Kilometer oder viereinhalb Mal von der Erde zum Mond. Mit einer scheinbaren Helligkeit wird 2014 JO25 bei seiner Erdpassage nur ein kleines Himmelslicht. Aber immerhin eines, das man mit dem eigenen Fernrohr sehen kann.

Es besteht zwar keine Gefahr, dass uns 2014 JO25 trifft, dennoch ist es für einen Asteroiden dieser Größe ein ziemlich enger Vorbeiflug. Seit 2004 ist uns kein Brocken vergleichbarer Größe mehr so nah gekommen, und bis 2027 ist kein (bekannter) in Sicht.

Entdeckt wurde der Asteroid im Mai 2014 vom Catalina Sky Survey in Tucson/Arizona, einem Programm von Nasa und Universität des Bundesstaates, dass sich speziell mit der Suche nach Near Earth Objects (NEOs) beschäftigt. Unter diesen NEOs ist 2014 JO25 ein potentiell gefährlicher Asteroid (potentially hazardous asteroid, PHA) des Apollo-Typs. Er kommt der Erde verhältnismäßig nahe und wegen seiner Größe hätte ein Einschlag durch ihn ernste Konsequenzen. Aber wie gesagt, jetzt passiert das nicht, und wahrscheinlich wird es das nie. Für mindestens  500 Jahre wird er uns nicht mehr näher kommen als diese Woche.

Übersichtskarte der Himmelsbahn von 2104 JO25 ab dem 18. 04. 2017 ab 0 Uhr UTC. Der Asteroid nähert sich aus Richtung der Sonne (links). Karte erstellt mit Cartes du Ciel.
Übersichtskarte der Himmelsbahn von 2104 JO25 ab dem 18. 04. 2017 ab 0 Uhr UTC. Der Asteroid nähert sich aus Richtung der Sonne (links). Karte erstellt mit Cartes du Ciel.

Neben seiner Größe, seiner Bahn und seiner Oberflächenreflektivität (er strahlt doppelt so viel Licht zurück wie der Mond) weiß man so gut wie nichts über ihn. Das wird sich dank dieses Vorbeiflugs ändern, denn 2014 JO25 wird während des 18./19. April von einer ganzen Armada von Teleskopen beobachtet werden.

Für das freie Auge ist 2014 JO25 viel zu lichtschwach, aber schon mit einem Amateurteleskop wird man ihn sehen können. Eine erste Chance dazu hat man in den Morgenstunden des 19. April, wenn er (noch rund 13mag schwach) durch das Sternbild Kepheus wandert. Seine nächste Annäherung findet im Grenzgebiet Kleiner Bär/Drache um 14:23 MESZ statt, für uns Europäer also in den Nachmittagsstunden. Am Abend des 19. April besteht dann die Gelegenheit, den Asteroiden, rund 10,5 bis 11mag hell, durch die Sternbilder Großer Bär, Jagdhunde und Haar der Berenike ziehen zu sehen.

Der Weg des Asteroiden am Abend des 19. April. Die Zeiten sind im Anstand von einer Stunde und in Weltzeit (UTC) angegeben. Für MESZ jeweils 2 Stunden dazurechnen! Karte erstellt mit Cartes du Ciel.
Der Weg des Asteroiden am Abend des 19. April. Die Zeiten sind im Anstand von einer Stunde und in Weltzeit (UTC) angegeben. Für MESZ jeweils 2 Stunden dazurechnen! Karte erstellt mit Cartes du Ciel.

Ein kleines Fernrohr mit etwa 80 Millimeter Objektivöffnung reicht dazu aus. Aber bitte keinen durch All zischenden Felsbrocken erwarten: Er wird stets nur als lichtschwacher Punkt erscheinen. Der immerhin bewegt sich zu Beginn der Nacht schneller als drei Grad pro Stunde über den Himmel!

Deteilkarte der Sternbilder GRoßer Bär / Jagdhunde. Zeiten in UTC, für MESZ zwei Stunden dazuaddieren. Die schwächsten Sterne auf der Karte haben 10,6mag, in etwa so hell wie der Asteroid in seinem Maximum. Karte erstellt mit Cartes du Ciel.
Detailkarte der Sternbilder Großer Bär / Jagdhunde. Zeiten in UTC, für MESZ zwei Stunden dazu addieren. Die schwächsten Sterne auf der Karte haben 10,6mag, in etwa so hell wie der Asteroid in seinem Maximum. Karte erstellt mit Cartes du Ciel.
Detailkarte für das Sternbild Coma (Haar der Bereneike). Angaben wie oben.
Detailkarte für das Sternbild Coma (Haar der Bereneike). Angaben wie oben.

Der Asteroid nähert sich der Erde aus Richtung Sonne und ist daher erst kurz vor der Annäherung beobachtbar. Nach dem 19. April entfernt sich 2014 JO25 schnell von der Erde, wird also schwächer.

Mit den Übersichtskarten kann man sich einen ersten Eindruck von der Bahn des Asteroiden über den Himmel machen.  Auch mit den Detailkarten wird man sich schwer tun, den winzigen Lichtpunkt unter den tausenden anderen zu identifizieren, zumal er sich von  Minute zu Minute weiterbewegt.  Am besten erstellt man sich eigene, genauere Karten oder lässt sich die Position des Asteroiden minutengenau darstellen. Das kann man mit dem freien Programm Cartes du Ciel tun (*) oder dem Planetariumsprogramm Stellarium tun. Wie letzteres geht, erkläre ich im verlinkten Videotutorial!

Clear Skies!

(*) Mit der automatischen Bahnelementedatei des MPC erhielt ich bei Cartes du Ciel allerdings eine abweichende Bahnkurve. Ich musste folgende Bahnelemente händisch eingeben, um auf die oben dargestellten Bahnen zu kommen.

 

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