Profiastronomen möchten La Palmas höchsten Berg für sich alleine haben

Der 2400 Meter hohe “Roque de los Muchachos” auf der Kanareninsel La Palma beherbergt eines der wichtigsten astronomischen Observatorien der Welt. Auch Amateurastronomen und Touristen wissen den klaren, dunklen Sternenhimmel über dem “Roque” zu schätzen. Es gibt ja nicht mehr viele solcher Orte auf der Welt. Geht es aber nach dem Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC), der Inselregierung La Palmas und der Gemeinde Garafía, dann ist der Berg nachts ab einer Höhe von 1500 Metern künftig für alle Tabu, die nicht zum Observatorium gehören.

Dürfen solche Bilder zukünftig nur noch mit der Genehmigung des IAC gemacht werden? Milchstraße über den Höhen La Palmas, mit Tajinaste im Vordergund.
Dürfen solche Bilder zukünftig nur noch mit der Genehmigung des IAC gemacht werden? Milchstraße über den Höhen La Palmas, mit Tajinaste im Vordergund.

Jede Aktivität innerhalb und außerhalb der Grenzen des Observatoriums (das ohnehin seit jeher nachts für Autoverkehr gesperrt ist) wäre dann nach Sonnenuntergang verboten, sofern das IAC sie nicht explizit genehmigt hat. Das richtet sich wohl in erster Linie gegen kommerzielle astrotouristische Tätigkeiten. Es verbietet in dieser allgemeinen Formulierung aber wohl auch jedwede Aktivität von Hobbyastronomen, sei es mit Teleskop oder Kamera. Man kann es sogar so verstehen, dass ohne Genehmigung des IAC künftig nachts überhaupt niemand mehr auf den Roque darf.

So jedenfalls ist mein Verständnis der “Vereinbarung” zwischen der Inselregierung, dem IAC und der Gemeinde Garafía, auf deren Territorium der Roque und das Observatorium stehen, die Mitte April veröffentlicht wurde (hier als pdf abrufbar). Mitbekommen habe ich erst diese Woche davon, denn erst jetzt machte sie auch in der lokalen Presse Schlagzeilen. Und wenn ich die Zeitungsberichte so lese, bin ich mir umso mehr sicher, den in typischer spanischer Amtsmanier von kaum verständlichen Bandwurmsätzen und Verwaltungskauderwelsch durchdrungenen Text (siehe obiger Link) richtig verstanden zu haben.

Besucher? Gerne, aber nur am Tag

Fragt man sich, warum jetzt das Ganze? Hintergrund ist das neue “Besucherzentrum” gleich neben dem Observatorium, dass von der Inselregierung gebaut wurde und das seit einer gefühlten Ewigkeit “bald eröffnet” wird. Bislang ist es nicht mehr ist als ein Betonklotz, in den es beizeiten hineinregnet. Die Furcht des IAC ist wohl, dass nächtliche Aktivtäten dort die Himmelsqualität über dem Berg beeinträchtigen könnten. Das ist sicher nicht ganz unbegründet: Ohne Fachbetreuung vor Ort könnten touristische “Sterntouren” leicht zu einem Festival von LED-Lampen, Handylichtern und grünen Laserpointern werden. Da das IAC aber diese Fachbetreuung nicht selbst übernehmen kann oder will, möchte man so wohl einen Daumen auf allem haben, was sich dort nach Sonnenuntergang abspielt.

Und das geht natürlich am einfachsten mit einem generellen Verbot. Ob so etwas überhaupt rechtens ist, mag ich nicht zu beurteilen, aber die autoritäre Holzhammermethode scheint ja ohnehin wieder in Mode zu kommen. Dass bspw. alle nächtlichen Aktivitäten oberhalb von 1500 Metern Meereshöhe verboten werden sollen, bedeutet, dass die diese No-Go-Area weit über die Grenzen des eigentlichen Observatoriums hinaus erstrecken würde, das ab etwa 2000m Meereshöhe beginnt. Immerhin gibt es jetzt ein bisschen Widerspruch von Astrotourismusunternehmen und Astrofotografen auf der Insel. Vielleicht tut sich ja noch was.

Ansonsten kann man Hobbysternguckern wohl zukünftig nur raten, sich ein anderes Ziel für den Astrourlaub zu suchen. Ob das der (aus Gründen) am Boden liegenden Tourismuswirtschaft La Palmas hilft?

Ausschnitt aus der "Vereinbarung": Nächtliche Aktivitäten oberhalb von 1500m (d.h., bereits weit unterhalb des Observatoriums) nur noch mit Genehmigung des IAC.
Ausschnitt aus der “Vereinbarung”: “Nächtliche Aktivitäten” oberhalb von 1500m Meereshöhe  (d. h., bereits weit unterhalb des Observatoriums) nur noch mit Genehmigung des IAC.

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