Unter grünem Himmel

Egal wie ruhig die Sonne auch sein mag (Sonnenflecken hat man nun schon seit über einem Monat keine mehr gesehen) – am richtigen Ort gibt es immer Polarlichter zu sehen. Deshalb bin ich gerade wieder im hohen Norden unterwegs, genauer an der norwegischen Küste und an Bord der MS Finnmarken, einem Schiff der Hurtigruten.

Polarlichtsichtung voraus! Zwischen Rørvik und Brønnøysund zeigte sich am dritten Tag der 12-tägigen Reise zuerstein schwaches Band am Nordhorizont - das Polarlichtoval.
Polarlicht voraus! Zwischen Rørvik und Brønnøysund zeigte sich am dritten Tag der 12-tägigen Reise zuerstein schwaches Band am Nordhorizont – das Polarlichtoval.

Zusammen mit unseren Reiseleiterinnen Sabine Heumann und Jessica Kirsten und meinem Kollegen Hans Zekl betreue ich wieder einmal eine Reisegruppe auf der “schönsten Seereise der Welt” und bei der Jagd nach den Nordlichtern (hier geht’s zu einem Bericht von meiner vorletzten Reise). Und obwohl wir erst wenige Tage unterwegs sind, waren wir bereits ziemlich erfolgreich: Gestern und vorgestern Nacht konnten wir mehrfach fantastische Polarlichter an Bord beobachten.

Nach ein paar Minuten nahm die Aktivität zu. Ein paar schwache Beamer tauchten auf, die grüne Farbe war mit bloßem Auge schwach zu erkennen.
Nach ein paar Minuten nahm die Aktivität zu. Ein paar schwache Beamer tauchten auf, die grüne Farbe war mit bloßem Auge schwach zu erkennen.
Erste fotografische Übungen bei absolut klarem Himmel und ruhiger See.
Erste fotografische Übungen bei absolut klarem Himmel und ruhiger See.

Der Himmel war ausgesprochen klar und dunkel: Mein SQM zeigte Werte um 21,7mag/arcsec^2, die Wintermilchstraße war gut zu sehen. Und weil auch die See sehr ruhig war und der Wind nicht zu stark blies, hatten wir ideale Bedingungen für die Polarlichtfotografie.

Am folgenden Abend klarte der Himmel über den Lofoten wieder pünktlich auf und das Polarlichtband erschien wie bestellt am Himmel. Dieses Mal aber heller und deutlicher als am Abend zuvor.

Tag 4 hinter Svolvær auf den Lofoten: Wieder zeigte sich am frühen Abend das Polarlichtband, diesmal aber schon heller und höher am Himmel als am Tag zuvor (und etliche Seemeilen weiter südlich).
Tag 4 hinter Svolvær auf den Lofoten: Wieder zeigte sich am frühen Abend das Polarlichtband, diesmal aber schon heller und höher am Himmel als am Tag zuvor (und etliche Seemeilen weiter südlich).

Genau vor dem Trollfjord (in den das Schiff wegen der Lawinengefahr im Winter leider nicht einfahren konnte) begann dann die erste große Show. Für einige Minuten war das Polarlicht so hell, dass man seine Farbe deutlich wahrnehmen konnte. Auch schnell tanzende Vorhänge aus Licht zeigten sich. Die sieht man auf einem statischen Foto natürlich nicht.

Am Trollfjord waren die Polarlichter plötzlich überall.
Am Trollfjord waren die Polarlichter plötzlich überall.

Wir befanden uns nun also direkt unter dem Polarlichtoval. Und dank einiger kleiner koronaler Löcher auf der Sonne war das Nordlicht trotz ruhiger Sonne wirklich spektakulär.

Am besten sieht man die Polarlichter vom Bug der MS Finnmarken.
Am besten sieht man die Polarlichter vom Bug der MS Finnmarken.

Einen Eindruck von der Dynamik des Polarlichts gibt vielleicht die folgende Animation, für die ich acht Einzelbilder zusammengesetzt habe. Zwischen den Aufnahmen lagen jeweils etwas mehr als drei Sekunden:

Eine Sequenz aus acht Einzelbildern zeigt die Dynamik der Polarlichter.
Eine Sequenz aus acht Einzelbildern zeigt die Dynamik der Polarlichter.

So kann die Reise gerne weitergehen – auch wenn Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt den Polarlichtjägern einiges abverlangen. Von Frühling ist Anfang März in Nordnorwegen noch nichts zu spüren. Heute kommen wir in der “Polarlichthauptstadt” Tromsø an, und sollten uns Wetter und Weltraumwetter gewogen bleiben, gibt es sicher bald eine Fortsetzung dieses Beitrags!

Nachtrag 07.03.: Gestern Nacht gab es vor Berlevåg, also hoch im Norden, zum dritten Mal Polarlichter, aber dieses Mal habe ich einen Tipp beherzigt, den ich den Gästen immer als erstes gebe: Das Polarlicht beobachtet man am besten mit den Augen, nicht mit der Kamera. So gibt es keine Bilder von mir – die hätten die extrem schnellen Lichtwechsel ohnehin nicht wiedergeben können. Dafür ein Schnappschuss aus dem verschneiten Kirkenes, dem heutigen Umkehrpunkt unserer Reise!

Kurze Wanderung bei Kirkenes, mit Blick auf die russische Grenze am Horizont.

2. Nachtrag und Schluss (12.03.): Heute geht es zurück, die Fahrt mit der MS Finnmarken endet nach 12 abwechlungsreichen Tagen. Polarlichtmäßig erlebten wir nach einem stürmischen Beginn eine eher ruhige Rückfahrt: Zwar zeigten sich die Nordlichter ab und an noch zaghaft am Himmel, die große Abschiedsshow blieb aber aus. Zwei koronale Massenauswürfe, die am 8. März aus der Sonne ausgebrochen waren (eine Seltenheit in Zeiten des Minimums!) verfehlten die Erde offenbar. Vielleicht waren sie auch zu schwach, um noch helle Aurora auszulösen. Wir werden es nie wissen.

Ein zaghaftes Polarlicht, fotografiert auf der Rückfahrt nach Süden.
Goodbye, MS Finnmarken!

Wir haben eine fantastische Reise hinter uns – mit Polarlichtern, einer traumhaften Winterlandschaft, einem schönen Schiff und vor allem einer sehr sympathischen Reisegruppe!

Adjø Norge!

2 thoughts on “Unter grünem Himmel

  1. Karl-Heinz van Heek 2019-03-09 / 11:08

    Hallo Jan,
    wieder ein toller Bericht von Dir und es ist Klasse das Du diesen mit uns Teilst, wann kommt unser einer dazu solch eine Reise anzugehen. Ja, das mit dem Minimum der Sonne, dies wird wohl noch etwas dauern, ich selber hoffe aber im Maximum wieder dabei zu sein, dies wäre dann das dritte welches ich aufgezeichnet/bzw. fotografiert hätte…
    noch einmal Danke für Zeigen und Teilen
    CS
    Kalle

    • janhattenbach 2019-03-09 / 13:32

      Hallo Kalle,
      hier oben ist das Minimum der Sonne nicht notwendig, um Polarlichter zu sehen. Wobei die auch hier heftiger sind, wenn von der Sonne mehr “Leistung” kommt. Im Moment nähern sich zwei schwächere CMS von einem Ausbruch am 8.3.. Sie sollen am Montag auf der Erde ankommen, das wäre noch rectzeitig für unsere Reisegruppe. Ich schreibe, wenn wir noch etwas davon zu sehen bekommen!
      CS,
      Jan

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