Update: Mikro-Gravitationslinse Gaia16aye soll Sonntag abend aufleuchten

Ein neues Modell sagt das vierte und letzte Aufleuchten der Mikro-Gravitationslinse Gaia16aye für Sonntag, den 20. November kurz vor 22 Uhr MEZ (20,8 UT) voraus. Die Ereignis wird voraussichtlich so hell, dass es auch mit einem Amateurteleskop sichtbar ist. Auch wenn es nicht so spektakulär ist wie ein „Supermond“ (Scherz) – ein solches Ereignis kommt nicht so schnell wieder.

Update 21.11., 21:15 MEZ: Der Durchgang der finalen Kausik ist wohl passiert, für Europäer leider unbeobachtbar in den Nachmittagsstunden. Gegen 21 Uhr MEZ habe ich noch mal versucht, Gaia16aye zwischen Wolkenlücken zu erwischen, das untige Bild ist das Beste, was dabei herausgekommen ist. Wie man sieht, sieht man nicht viel anderes als am Vorabend – ich habe das Ereignis wohl verpasst. Spaß hat’s trotzdem gemacht!

Gaia16aye am 21.11.2016
Gaia16aye am 21.11.2016

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Update 20.11., 22:00 MEZ: Kein Aufleuchten zum erwarteten Zeitpunkt – zumindest nicht auf meinen Aufnahmen. Dann die Info, dass sich das Maximum wohl verspätet: auf den 21. November, zwischen 10 und 16 Uhr UTC (11 und 17 Uhr MEZ). Also für uns leider am Tag. Lustig: Während ich mit dem 175er-Refraktor des ATHOS-Observatoriums auf La Palma beobachtete, waren oben auf dem Roque das Liverpool-Teleskop und das TNG auf genau die selbe Quelle gerichtet…

Gaia16aye am 20.11. um 19:08 UTC. Aufnahmedaten ansonsten wie unten.
Gaia16aye am 20.11. um 19:08 UTC. Aufnahmedaten ansonsten wie unten.

Nachtrag zum Update: Hier das neu aufgelegte Modell (Achtung, die y-Achse gibt die Helligkeit im I-Band (Infrarot) an. Die visuelle Helligkeit liegt ca. 1-2 Größenklassen darunter!

Das modifizierte MOdell mit dem verspäteten Peak. Quelle: Przemek Mróz, Universität Warschau
Das modifizierte MOdell mit dem verspäteten Peak. Quelle:
Przemek Mróz, Universität Warschau

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Update, 19.11., 21:00 MEZ: Hier ist das „Vorher-Bild“, aufgenommen am 19. November um 19:34 UTC (20:34 MEZ) mit dem AstroPhysics 175/1400mm Refraktor der ATHOS-Sternwarte auf La Palma und meiner Canon EOS 450D (astromodifiziert). Bei ISO 800 habe ich 180 Sekunden belichtet. Die Quelle an der Position RA 19:40:01.13 Dec +30:07:53.4 ist eindeutig zu erkennen. Mal sehen, wie hell sie morgen abend ist. Auswertung folgt später.

Es ist übrigens recht einfach, Gaia16aye zu fotografieren: Einfach den Stern Phi Cygni im Sternbild Stern anpeilen (steht knapp über Albireo, Beta Cygni). Gaia16aye steht nur wenige Bogenminuten östlich. Aufsuchkarten gibt es hier. Selbst mit größerer Brennweite ist das Objekt im Bild.

Gaia16aye am 19.11.2016
Gaia16aye am 19.11.2016. 100%- Crop aus dem Gesamtbild.

Quercheck: Hier der Link zum eingemessenen Bild, u.a. mit kmz-Datei für Google Sky.

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Neues Modell der I-Band-Lichtkurve von Gaia16aye, veröffentlicht am 18. November 2016. Quelle: ESA Gaia, DPAC and the Photometric Science Alerts Team, P. Mroz, L. Wyrzykowski
Neues Modell der I-Band-Lichtkurve von Gaia16aye, veröffentlicht am 18. November 2016. Quelle: ESA Gaia, DPAC and the Photometric Science Alerts Team, P. Mroz, L. Wyrzykowski

Hier geht es zu einem früheren Artikel zum Thema, inklusive Hinweisen zum Auffinden des Objekts.

Die oben dargestellte Lichtkurve (I-Band) zeigt, dass sich der vierte Helligkeitspeak nähert. Das komplexe Muster dieser Kurve deutet darauf hin, dass Gaia16aye kein normales Microlensing-Event ist, sondern dass es sich hier um den seltenen Fall einer Gravitationslinse mit Doppelstern handelt. Deshalb sind auch Amateure aufgerufen, sich an der Beobachtung zu beteiligen: Der morgige Helligkeitsausbruch wird nur ein paar Stunden anhalten.

Die maximale Helligkeit des Objekts wird dann im nah-infraroten I-Band rund 12mag betragen. Im Visuellen dürfte das etwas schwächer sein, vielleicht 13-14mag. Für Astrofotografen mit ausreichend großen Teleskopen könnte der Einsatz eines IR-Passfilters eine Überlegung wert sein. In jedem Fall liegt dieser Helligkeitsbereich in einem Bereich, der auch Amateuren mit kleineren und mittelgroßen Teleskopen zugänglich ist, insbesondere wenn digitale Kameras eingesetzt werden.

Viel Erfolg!

Korrektur: Die Uhrzeit wurde verändert. Es ist sinnvoll, möglichst lange vor und nach dem vorausberechneten Zeitpunkt zu beobachten, da einerseits Ansteigen und Abfallen der Helligkeit einige Zeit dauert und sich andererseits der genaue Zeitpunkt des Maximums verschieben kann.

Hier ein weiterer Bericht zum Ereignis bei Zauberdersterne.de.

Forenseite der AAVSO zu Gaia16aye.

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