War’s das schon mit dem Maikometen? Komet Y4 ATLAS womöglich zerbrochen

Komet C/2019 Y4 ATLAS wurde vor ein paar Wochen noch als Hoffnungsträger gefeiert, nun könnte er als Rohrkrepierer á la ISON (erinnert sich noch jemand an den?) enden. Am 6. April meldeten Astronomen, dass sich der Kern des Kometen aufzulösen scheint, eine Beobachtung, die kurze Zeit später von einem robotischen Teleskop auf La Palma bestätigt wurde. Meine eigene Beobachtung von letzter Nacht lässt auch nichts Gutes erwarten.

Komet C/2019 Y4 ATLAS am Abend des 8. April 2020. Aufnahmedaten: 70/420mm ED, Canon EOS 6D, ISO 3200, Stack aus 60s-Belichtungen.
Komet C/2019 Y4 ATLAS am Abend des 8. April 2020 bei starkem Mondlicht. Die innere Koma scheint tatsächlich etwas in die Länge gezogen, in Übereinstimmung mit der Beobachtung eines möglichen Auseinanderbrechens des Kerns. Aufnahmedaten: 70/420mm ED, Canon EOS 6D, ISO 3200, Stack aus 60s-Belichtungen.

Wie ich vor kurzem hier im Blog geschrieben hatte, waren die fantastischen Aussichten auf weit negative Magnituden, die von manchen als Vorzeichen für einen “Großen Kometen” Ende Mai gedeutet wurden, nie sehr realistisch. Eine interessante Erscheinung, für das Fernglas und vielleicht sogar knapp fürs bloße Auge, erschien aber aufgrund der Helligkeitsentwicklung des Kometen in den vergangenen Monaten möglich.

Betonen möchte ich, dass noch nicht ausgemacht wird, dass der Komet sich endgültig auflösen wird. Doch die oben genannte Beobachtung, dass sich aus dem Kern mindestens ein großes Fragment gelöst hat ist, verbunden mit einer nun doch deutlichen Abschwächung seiner Helligkeitszunahme, kein gutes Zeichen.

Enttäuschende Beobachtung unter schwierigen Umständen

Normalerweise würde ich eine Nacht nach Vollmond mein Teleskop nicht auf einen Kometen richten. Von den Meldungen aufgeschreckt, machte ich gestern (8.4.) aber eine Ausnahme. Abgesehen vom Mondlicht war der Himmel sehr klar, und auch das Seeing war ziemlich gut. Ich erhoffte mir, bei hoher Vergrößerung zumindest einen guten Blick auf das helle Zentrum des Kometen werfen zu können. Kann man die berichtete in die Länge gezogene Form des false nucleus visuell sehen?

Links: Komet C/2019 Y4 ATLAS am 24. 3, rechts am 8.4., aufgenommen jeweils mit gleichem Equipment. Allerdings entstanden die Bilder unter sehr unterschiedlichen Bedingungen: Links bei sehr dunklem Himmel, rechts einen Tag nach Vollmond. Die fehlende Koma auf dem rechten Bild könnte daher dem Mondlicht geschuldet sein.
Links: Komet C/2019 Y4 ATLAS am 24. 3, rechts am 8.4., aufgenommen jeweils mit gleichem Equipment. Allerdings entstanden die Bilder unter sehr unterschiedlichen Bedingungen: Links bei sehr dunklem Himmel, rechts einen Tag nach Vollmond. Die fehlende Koma auf dem rechten Bild könnte daher dem Mondlicht geschuldet sein.

Ich zumindest konnte es nicht. Zunächst einmal hatte ich mächtige Probleme, den Kometen überhaupt zu sehen, obwohl ich die entsprechende Position sehr bald gefunden hatte. Im Fernglas oder Sucher war Y4 ATLAS überhaupt nicht sichtbar (kein Wunder bei dem Mond), aber auch im 400mm Newton musste ich schon sehr genau hingucken, um den Kometen als sehr schwaches, diffuses Wölkchen zu erkennen.

Zu meiner Überraschung war das Zentrum des Kometen praktisch überhaupt nicht heller – ein false nucleus einfach nicht zu sehen! Sollte der Auflösungsprozess schon weiter fortgeschritten sein? Bis 460x war jedenfalls kein Detail zu sehen.

Mein Foto oben, leider nur mit 420mm Brennweite, lässt zumindest erahnen, dass das Innere des Kometen länglicher aussieht als noch Ende März.

Die nächsten Tage werden spannend. Wenn der Mond sich vom Abendhimmel zurückgezogen hat, werden wir wieder einen besseren Blick auf Komet ATLAS bekommen. Hoffentlich nicht zum letzten Mal!

9 thoughts on “War’s das schon mit dem Maikometen? Komet Y4 ATLAS womöglich zerbrochen

  1. Thomas Schiffer 2020-04-11 / 8:34

    Hallo Jan,
    vielen Dank für deine unermüdlichen Hinweis auf aktuelle Ereignisse an unserem Nachthimmel.
    Auch diese Meldung hat mich dazu bewegt „C/2019 Y4 ATLAS“ wieder ins Visier zu nehmen.
    Ich bin kein Experte, kann aber deine Beobachtungen aus der Eifel heraus bestätigen.
    Das Kernsegment erscheint länger und von der Leuchtkraft her schwächer. Zumindest bei gleicher, technischer Voraussetzung innerhalb der letzten Tage.
    Beste Grüße und CS, Thomas

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