Was bringt 2020? Der Ausblick auf das astronomische Jahr

Sie wollen wissen, was die Sterne im Jahr 2020 zum Thema Geld, Glück, Karriere und Liebe zu sagen haben? Dann sind Sie hier falsch. Um nicht Gefahr zu laufen, mit der Realität in Kontakt zu kommen empfehle ich, diese Seite schnell zu verlassen. Noch da? Gut. Hier geht es um die astronomischen Höhepunkte 2020 – zu ihnen gehören eine äußerst günstige Marsopposition und eine spektakuläre Konjunktion von Jupiter und Saturn mit Seltenheitswert!

Mond und Venus am 28. 11. 2019. Auch 2020 kommt es wieder zu zahlreichen Begegnungen von mond und planeten am himmel - die spektakulärste ist die enge Konjunktion von Jupiter und Saturn im Dezember.
Mond und Venus am 28. 11. 2019. Auch 2020 kommt es wieder zu zahlreichen Begegnungen von Mond und Planeten am Himmel – die spektakulärste wird die enge Konjunktion von Jupiter und Saturn im Dezember sein.

Sonnen- und Mondfinsternisse

Zwei Sonnen- und vier Mondfinsternisse ereignen sich 2020. Leider ist keine der beiden Sonnenfinsternisse (eine ringförmig, eine total) von Mitteleuropa sichtbar. Die ringförmige ereignet sich am 21. Juni und erschreckt sich von Ostafrika über Pakistan, Nordindien und China in den Ostpazifik. Zumindest ein Teil der partiellen Phase ist von Südosteuropa zu sehen. Ganz und gar unsichtbar von Europa aus ist die totale Finsternis am 14. Dezember. Sie ist in ihrer Gänze von Land aus nur im Süden Chiles und Argentiniens zu sehen, ansonsten über dem pazifischen und atlantischen Ozean.

Alle vier Mondfinsternisse des Jahres sind Halbschattenfinsternisse – es ist keine partielle oder gar totale darunter. Diese Tatsache ist an sich schon bemerkenswert. Wirklich spannend zu beobachten sind Halbschattenfinsternisse allerdings nicht. Nur Eingeweihten fällt dabei auf, dass sich der Mond ganz leicht abdunkelt.

Der Mond während der Halbschattenfinsternis am 14. März 2006. Wer genau hinschaut, erkennt rechts oben die leichte Abschattung durch die irdische Penumbra.
Der Mond während der Halbschattenfinsternis am 14. März 2006. Wer genau hinschaut, erkennt rechts oben die leichte Abschattung durch die irdische Penumbra. Die Aufnahme entstand etwa während der maximalen Finsternis!

Vollständig sichtbar ist vom deutschsprachigen Raum aus nur die Finsternis am 10. Januar (siehe Link oben). Die Finsternisse am 5. Juni und am 5 Juli sind teilweise, die am 30. November gar nicht zu sehen.

Merkur

Merkur am Abendhimmel, am 15. Juni 2019 zusammen mit Mars.
Merkur am Abendhimmel, am 15. Juni 2019 zusammen mit Mars.

Der innerste Planet des Sonnensystem zeigt sich 2020 zweimal am Abend und zweimal am Morgen. Die erste Abendsichtbarkeit beginnt gleich Ende Januar und zieht sich bis Mitte Februar, mit ihrem Höhepunkt in der zweiten Februarwoche. Mitte Mai bis Mitte Juni taucht Merkur erneut am Abendhimmel auf. Daber kommt es besonders am 21. und 22. Mai zu einer Begegnung mit der hellen Venus.

Ende Juli zeigt sich Merkur dann am Morgenhimmel, ein weiteres und für dieses Jahr letztes Mal dann im November. Beide Male ist kein helleres Gestirn in der Nähe, das bei der Aufsuche des Planeten helfen könnte.

Venus

Venus ist zuerst Abend- und dann Morgen”stern”: Vom Jahresanfang steht sie strahlend hell am Abendhimmel. Ihre größte östliche Elongation, also den größten Winkelabstand von der Sonne, erreicht sie am 24. März. Sie nähert sich der Erde, d.h. ihr sichtbarer beleuchteter Teil nimmt ab, gleichzeitig “wächst” das Venusscheibchen aber an. Ende April steht sie im “größten Glanz”, sie wird bis zu -4,7mag hell.

Die untere Konjunktion am 6. Juni ist unbeobachtbar, es bietet sich jedoch für erfahrene Beobachter und Fotografen die Gelegenheit, die riesige Venussichel in den Tagen um die Konjunktion zu sichten oder abzulichten (Vorsicht vor der nahe stehenden Sonne!). Während der Konjunktion kommt Venus der Erde auf 43 Millionen Kilometer nah – näher als jeder andere Planet.

Anfang Juli taucht Venus am Morgenhimmel auf. Größter Glanz ist bereits am 7. Juli (.4,7mag), größte westliche Elongation am 13. August. Der Planet bleibt bis in den Dezember am Morgenhimmel sichtbar.

Am Vormittag des 19. Juni kann man mit etwas Erfahrung eine Bedeckung der Venus durch den Mond beobachten. Allerdings stehen Mond und Venus nicht weit von der Sonne, größte Vorsicht ist also angesagt, um nicht mit dem Teleskop versehentlich in die Sonne zu schauen!

Mars

Marszeichnung, erstellt am 27.01.2010 um 02:15 MEZ. 8"-Refraktor der Sternwarte Aachen, Vergrößerung: 300x, Filter: Baader Kontrastbooster. Seeing: mittelmäßig, Norden ist oben, Osten (am Himmel) rechts
Marszeichnung, erstellt am 27.01.2010 um 02:15 MEZ. 8″-Refraktor der Sternwarte Aachen, Vergrößerung: 300x, Filter: Baader Kontrastbooster.

Eines der Highlights des Jahres ist die Marsopposition am 14. Oktober. Zwar kommt der Rote Planet der Erde dieses Mal nicht ganz so nah wie zur Perihelopposition 2018 (62 statt 58 Millionen Kilometer, erreicht wird die Erdnähe wegen der Exzentrizität der Marsbahn schon am 6. Oktober), dafür steht er 2020 aber im Sternbild Fische und damit weit nördlicher am Himmel. Er ist deshalb für mitteleuropäische Beobachter weit besser positioniert. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,6 mag strahlt Mars um den Oppositionszeitpunkt heller als Jupiter.

Jupiter und Saturn

Jupiter und Saturn erreichen anders als Mars jedes Jahr eine Opposition, dieses Mal fallen die jeweiligen Zeitpunkte auf den 14. Juli (Jupiter) bzw.  den 21. Juli (Saturn). Die Oppositionen liegen gerade einmal eine Woche auseinander  – die beiden Planeten stehen am Himmel so nah wie seit 20 Jahren nicht mehr! Im Dezember kommt es zu einer seltenen Begegnung der beiden Riesen, und wenn ich mich für ein persönliches astronomisches Highlight des Jahres entscheiden müsste, dann ist es diese Begegnung!

Der Blick Richtung Süden am Abend des 21. Dezember 2020, simuliert mit Stellarium. Der zunehmende Mod steht zwischen dem hellen mars und einem ungewöhnlichen "Doppelgestirn" tief im Südwesten: Jupiter und Saturn!
Der Blick Richtung Süden am Abend des 21. Dezember 2020, simuliert mit Stellarium. Der zunehmende Mond steht zwischen dem hellen Mars und einem ungewöhnlichen “Doppelgestirn” tief im Südwesten: Jupiter und Saturn!

Am Abend des 21. Dezember nähern sich Jupiter und Saturn auf wenige Bogenminuten an. Es wird schwer sein, sie mit bloßem Auge noch zu trennen! Geradezu spektakulär wird der Anblick im Fernrohr: Je nach Teleskop und verwendetem Okular können beide Planeten mitsamt ihren Mondsystemen gleichzeitig im Gesichtsfeld gesehen werden. Die engste Annäherung von 6,1 Bogenminuten findet um 19.21 Uhr MEZ statt, zu diesem Zeitpunkt sind die beiden Planeten bereits untergegangen.

Jupiter und Saturn stehen nur etwas mehr als sechs Bogenminuten voneinander entfernt. Sie sind damit in einem Fernrohrgesichtsfeld gemeinsam sichtbar.
Jupiter und Saturn stehen nur etwas mehr als sechs Bogenminuten voneinander entfernt (der Vollmond misst am Himmel etwa 30 Bogenminuten). Sie sind damit gemeinsam in einem Fernrohrgesichtsfeld sichtbar.

Ganz sicher wird die olle Kamelle der Weihnachtsterngeschichte in diesem Jahr besonders oft wiedergekäut. Dass die Opposition der beiden Planeten im Sternbild Schütze und damit supertief am mitteleuropäischen Himmel stattfindet, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Uranus und Neptun

Für Experten: Auch Uranus und Neptun stehen natürlich wieder in Opposition, und zwar am 31. Oktober (Uranus) und am 11. September (Neptun).

Meteorströme

Ein im November 2019 aufgenommener Meteor.
Ein im November 2019 aufgenommener Meteor.

Auch 2020 finden wieder die bekannten Meteorströme statt. Eine günstige Mondphase erwischen vor allem die Geminiden am 14. Dezember (Neumond). Erwartet wird eine Zenitstundenrate von 150, und die Geminiden sind bekannt dafür, Versprechen einzuhalten. Die Perseiden am 12. August (Zenitstundenrate 110) überschneiden sich mit dem abnehmenden Mond (letztes Viertel), was nicht ideal ist, weil die höchsten Radiantpositionen in den Morgenstunden erreicht werden.

Kometen

Helle Kometen, also solche fürs bloße Auge, sind bislang auch für 2020 nicht in Sicht. Das kann sich aber ändern, und wenn was kommt, werde ich in diesem Blog natürlich davon berichten.

Sonnenaktivität

Im November 2019 hat sich auf der Sonne der erste Fleck des lang erwarteten neuen Zyklus gezeigt, im Dezember waren kurz sogar mal zwei Fleckengrüppchen zu sehen. Die Talsohle des solaren Minimums sollte damit erreicht sein. Es wird spannend, zu beobachten, ob und wie die Aktivität unserer Sonne 2020 wieder ansteigt. Man geht davon aus, dass das nächste solare Maximum im Sommer 2025 erreicht wird.

Fazit

Die ganz großen Himmelsereignisse bleiben 2020 aus – keine Sonnenfinsternisse, keine Planetentransits und nur eine Halbschattenmondfinsternis erfreuen uns dieses Jahr in Mitteleuropa. Dafür zeigen sich die Planeten von ihrer besten Seite. Und wer weiß, vielleicht passiert ja noch was unvorhergesehenes – eine Supernova oder mal ein richtig heller Komet? Man wird ja noch träumen dürfen!

6 thoughts on “Was bringt 2020? Der Ausblick auf das astronomische Jahr

  1. Andreas 2019-12-30 / 22:39

    Schöne Zusammenstellung, was uns 2020 astronomisch so erwartet (neben noch mehr Starlink-Satelliten). Die enge Konjunktion von Jupiter und Saturn kurz vor Weihnachten 2020 ist mir irgendwie entgangen.

    Ich habe dieses Jahr auf eine Zusammenstellung astronomischer Themen verzichtete aufgrund von Zeitmangel und Desinteresse meiner Leser. 😉

    • janhattenbach 2019-12-31 / 12:19

      Deine monatliche astronomische Zusammenfassung ist aber auch immer sehr umfassend und detailliert, weit mehr als meine Jahresübersicht. Da steckt sicher sehr viel Zeit und Mühe drin. Absoluter Lesetipp: https://blog.aschnabel.bplaced.net/

      Es ist schade, dass ein solches Angebot, das noch dazu gratis ist, nicht von mehr Lesern angenommen wird. Andererseits, Quantität und Qualität sind zwei Paar Schuhe, das gilt auch für Blogleser. Mir sind wenige wirklich an den Themen interessierte Leser wichtiger als viele Klicks.

      Ich hoffe, du machst auch im nächsten Jahr weiter so!

  2. Dr. Stefan Reuter 2020-01-14 / 11:47

    Vielen Dank

    Stefan

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