Wie man einen Astrohype kreiert, in 7 Schritten. Eine Leitfaden für Online-Journalisten.

Schritt 1: Wähle das nächste astronomische Ereignis im Kalender, unabhängig davon, ob es interessant oder für Nicht-Experten überhaupt wahrnehmbar ist, für einen Artikel über „Wissenschaft“. Gut geeignet ist z.B. eine minimale Halbschattenmondfinsternis, ein ganz normaler Vollmond, oder auch nicht nennenswerte Meteorströme.

Schritt 2: Benutze Begriffe, die abergläubische nordamerikanische Farmer vor Jahrhunderten erfunden oder den vertriebenen Eingeborenen geklaut haben, heute eigentlich nirgendwo mehr gebraucht werden, aber aus mysteriösen Gründen seit einigen Jahren weltweit für astronomische Fachbegriffe gehalten werden, z.B. „Thunder Moon“, „Hay Moon“, etc. Oder schreib’ einfach „Supermond“.

Schritt 3: Illustriere Artikel zu einer Halbschattenfinsternis mit Bildern einer totalen Mondfinsternis, damit die Leute denken, genau so etwas gäbe es zu sehen. Den Text liest, wenn er länger als drei Zeilen ist, eh keiner. Du kannst hier also den obligatorischen Astronomen warnen lassen, dass es eigentlich nichts zu sehen gibt, ohne deinen Hype zu gefährden. (Im Falle eines Meteorstroms sind Strichspuraufnahmen, oder Bilder mit Flugzeug- oder Satellitenspuren gut geeignet. Verwende Fachbegriffe wie „Wahnsinns-Spektakel“ oder „Feuerwerk“.)

Schritt 4, Warte; bzw. heize den Hype in Sozialen Netzwerken an, indem du (falls es nicht von selbst klappt) ein paar Hashtags kreierst.

Schritt 5 (optional): Livestreams und **breaking news** unterschriebene Bilder, auf denen nichts Spektakuläres zu sehen ist, geben den Eindruck, es gäbe etwas Spektakuläres zu sehen.

Schritt 6: Ignoriere die Bilder des Ereignisses, die von Kundigen aufgenommen wurden, denn auf denen ist bekanntlich nichts Spektakuläres zu sehen. Wähle statt dessen z.B. Bilder des Vollmonds mit durchziehenden Wolken als Motiv für deine Bildergalerie, um die Verwirrung komplett zu machen. (Im Falle eines Meteorstroms sind Strichspuraufnahmen, oder Bilder mit Flugzeug- oder Satellitenspuren besser als die von echten Meteoren, denn die sieht man ja kaum zwischen den ganzen Flugzeug- und Satellitenspuren.)

Geschafft!

Reputation Online-Journalismus: -1, Reputation Astronomie & Wissenschaft: -1.

Schritt 7: Wiedervorlage beim nächsten „Ereignis“.

(Inspiriert durch meine TwitterTimeline.)

One thought on “Wie man einen Astrohype kreiert, in 7 Schritten. Eine Leitfaden für Online-Journalisten.

  1. Daniel Fischer 2020-07-06 / 12:25

    Guter Plan! Und wer international unterwegs ist, sollte regelmäßig die Adjektive “dazzling” und “stunning” verwenden …

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